Ganz nach oben – mit dem Lotus Super Seven

Kurz vor dem Nordkap sorgen Rentiere für Entschleunigung.
Mit einem weitgehend komfortfreien Oldtimer-Roadster von Tirol zum Nordkap. Wer sich ein solches Abenteuer gönnt, hat reichlich Fahrspaß und lernt viele Leute kennen.

Wieso tust du dir das an? Warum nimmst denn kein Wohnmobil? Nein. Er wollte kein Wohnmobil und er wollte sich genau das antun. Mit seinem betagten Minimalisten-Roadster, einer Replica des in den 60er- und 70er-Jahren gebauten Lotus Super Seven, hatte er sich das Nordkap vorgenommen. Keine Autobahnen sondern Bundesstraßen und Landstraßen. Vier Wochen und über 10.000 Kilometer. Harte Schalensitze, keine Klimaanlage, der Beifahrersitz als Kofferraum, ein dünnes Stoffdach über den Kopf. So fährt einer zum Badesee oder zum nächsten Oldtimertreffen. Aber zum Nordkap? Egal. Peter Kronthaler aus Erl wollte einmal raus aus dem Alltag und etwas machen, was einfach unkonventionell und anders war.

Am 28. Juni ist der Inhaber einer Autowerkstatt im Tiroler Inntal gestartet. Einen schlechteren Tag hätte er sich kaum auswählen können. „Bei Dauerregen ging’s auf Landstraßen nordwärts durch Bayern Richtung Sachsen.“ Gefahren ist er jeden Tag, so lange wie es eben ging oder er Spaß hatte. Auf Reservierungen hat Kronthaler verzichtet. Das setzt einen nur unter Druck. „Am zweiten Tag bin ich durch die Lüneburger Heide mit traumhaften Alleen“, erinnert sich Kronthaler. Das war alles nur zum Aufwärmen. Genauso wie der dritte Tag rauf nach Dänemark, bis Kopenhagen, dann auf der knapp acht Kilometer langen Öresundbrücke nach Malmö. Abends erreichte er Göteborg und das war ihm noch nicht genug. „Ich wollte einfach zum Nordkap und bin die Nacht durchgefahren, war um Mitternacht in Oslo.“ Sein Plan war eine Rundtour auf der E 6 von Oslo im Landesinneren von Norwegen vorbei am Olympiaort Lillehammer durch den Rondane Nationalpark bis Trondheim und weiter Richtung Norden. 400 bis 600 Kilometer waren sein Tagespensum. „Mehr als ein Schnitt von 60 Kilometer pro Stunde ist nicht drin, weil die Straßen schlecht sind und Geschwindigkeitsüberschreitungen sind extrem teuer“, verrät Kronthaler, „nur die Lastzüge sind schneller und die lässt du besser vorbei. Die verstehen keinen Spaß.“

„Mehr als ein Schnitt von 60 Kilometer pro Stunde ist nicht drin, weil die Straßen schlecht sind und Geschwindigkeitsüberschreitungen sind extrem teuer.“Peter Kronthaler

Mit einem alten Auto, das zwar schnell fahren könnte, aber kaum Fahrkomfort hat, gewöhnt man sich auch schnell die entschleunigte Reise an. Pausen hat Kronthaler an den Tankstellen gemacht, die meist mit einer Jausenstation ausgestattet sind. Pølse, die skandinavische Version der Frankfurter Würstl, wurde zum Grundnahrungsmittel. „Wenn ich an der Tankstelle einen Stopp gemacht habe, gab es fast immer einen kleinen Auflauf“, sagt Kronthaler. Das ungewöhnliche Fahrzeug, dann noch mit einem österreichischen Kennzeichen, begeisterte japanische Bustouristen, deutsche Wohnmobilfahrer und vor allem die Einheimischen. „Manchmal hab ich mir einen Kaffee geholt, mich ein wenig abseits gesetzt und zugeschaut, wie sie um mein Auto rumgestanden sind.“ Vielen Norwegern scheint Österreich ziemlich vertraut zu sein. „Ah Österreich, Zillertal, Skifahren“, rief einer voller Entzücken. Übernachtet wurde in Hütten auf Campingplätzen, was für einen Alleinreisenden eine ziemlich unökonomische Angelegenheit ist, weil die Preise pauschal für mehrere Gäste gelten. Dafür war die eine oder andere unterhaltsame Einlage inklusive. „Einmal hab ich mich geduscht, die zehn Kronen rein geworfen, bis die Dusche zu Ende war und ich eingeseift da stand und keine Münze mehr hatte. Den Rest behalte ich lieber für mich…“

Der malerische Hafen von Svolvaer auf den Lofoten und die berühmte Passstraße von Trollstigen.

Über Narvik kam Kronthaler auf der E 6 weiter bis Alta, der letzten größeren Stadt vor dem Nordkap. Wenige Kilometer vor dem Ziel löste sich wie in einem Filmdrehbuch das tendenziell schlechte Wetter mit den dicken tiefen Wolken auf und Kronthaler erlebte das Nordkap inklusive Kaiserwetter. Der Traum ist in Erfüllung gegangen. Mittlerweile war die Hinterachse des Super Seven etwas lädiert, was bei der Rückfahrt nach einer kurzen Irrfahrt in einer kleinen Schiffswerkstatt mit umfangreicheren Schweißarbeiten behoben wurde. „Mit meinem exotischen Auto hat das gut geklappt. Das hat die Leute einfach interessiert. Mit einem ganz normalen Wohnmobil wär das schwieriger geworden“, meint Kronthaler.

Am Nordkap bist du natürlich nicht alleine. Das moderne Besucherzentrum zieht Kolonnen von Bussen, Wohnmobilen und Autos an. Als der erste Tourist 1664 hier war, ging’s wohl ruhiger zu. Neben dem obligatorischen Fotomotiv mit dem Globus gibt es zum Zeitvertreib Restaurants, Bars, ein Museum, ein 3D-Kino und einen Souvenirshop. Für den Rückweg wählte Kronthaler eine etwas kurvenreichere Variante an der Küste mit Ausflügen auf die Vesteralen und Lofoten, traf unterwegs eine Radfahrerin aus Oberösterreich und auf einer Fähre einen schwedischen Bus, dessen Passagiere recht vertraut klangen. „Hearst, da is er, da Rennfahrer“, gab es auf Wienerisch und eine Tirolerin juchzte: „Wenigstens a gscheiter Tiroler, der mal richtig übahoid.“ Kronthaler ließ sich aber Zeit, besuchte ein Wikingermuseum in Borg auf den Lofoten, das Hurtigrutenmuseum mit dem alten Schiff Finnmarken in Stokmarknes, das Lofotenmuseum in Kabelvåg und hatte jeden Tag Begegnungen mit Reisenden, die an seinem Super Seven einfach nicht vorbei laufen konnten. Da waren drei Bayern, die mit ihrem Boot einen 130 Kilogramm Fisch an Land brachten, das norwegische Ehepaar, das ihn gleich auf einem Kaffee eingeladen und ausgefragt hatte und der türkische Mechaniker, der einen kleines Leck an der Kupplung behoben hatte und dafür kein Geld nehmen wollte. Die riesigen Kreuzfahrtschiffe mit Tausenden von Passagieren in Geiranger waren da ein echter Kulturschock. Eine weite Runde an der Südküste über Kristiansand brachte ihn nach Oslo und dann ging’s wie auf der Hinfahrt über Kopenhagen zurück nach Deutschland und auf Landstraßen Richtung Heimat. Nach der letzten Zwischenübernachtung bei Heilbronn wartete die Gastwirtin morgens beim Frühstück auf ihn. Sie hatte sein Auto gesehen und wollte unbedingt seine Reisegeschichten hören.

Von Tirol zum Nordkap: in vier Wochen schaffte Kronthaler 10.000 Kilometer, brauchte eine Woche hinauf und drei gemütliche Wochen zurück. Die Karte zeigt die Route die Kronthaler genommen hat.

 

 

Text: Georg Weindl

Foto: Peter Kronthaler

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