Maserati Levante – Heißer Ritt am „Fossil Rock“

Ende Oktober wurde der neue Maserati Levante in der Kalba-Wüste auf Herz und Nieren getestet.
In der Wüste Dubais widerlegt der Maserati Levante nicht nur alle Vorurteile eines Schickimiki-SUVs, sondern er erweist sich als absoluter Wüstenfuchs, den auch hohe Sanddünen nicht aufhalten.

Gute Vorbereitung ist alles. Dazu gehören natürlich auch ein paar grundsätzliche Handgriffe. In diesem Falle heißt das: Reifen platt machen und den Druck auf 1,8 bar verringern. Denn das bringt mehr Auflagefläche. Das Luftfahrwerk elektronisch hochpumpen. DSD aktivieren. Dahinter verstecken sich die Begriffe Deep Snow/Sand Detection. Für uns gilt letzteres: Sand. Denn das DSD sorgt unter anderem dafür, dass die Regelelektronik unseres Fahrzeugs auf dem sandigen Untergrund mehr Schlupf erlaubt, bis die Traktion an die jeweiligen Räder gelangt. Das wird, wie wir später feststellen werden, auch notwendig sein. Dann die M-Taste drücken und fixieren. Das M steht für „manuell“. Es ist nämlich bald Showtime. Und der Ort, wo die Show stattfinden wird, ist die Kalba Wüste am Fuße des „Fossil Rock“ in Dubai – einer Gegend, in der man schon aus Vernunftgründen eher Fahrzeuge der Marke Toyota oder Land Cruiser vermuten würde. Fahrzeuge, die genau für Einsätze im unwegsamen oder sandigen Gelände gebaut werden. Weniger einen eleganten und mit 430 PS bärenstarken Maserati Gran Sport oder Maserati Gran Lusso. Ein V6-Twin-Turbo-Benziner mit vierflutiger Abgasanlage, der vehement anschiebt und gehorsam dem Tritt aufs Gaspedal mit konsequentem Vortrieb antwortet.

Ein echtes Männerspielzeug. Viel zu schade für die Straße.

 

Wüstensand hin oder her. Und irgendwer muss es in diesem riesigen Sandspielkasten Reportern aus aller Welt ja mal zeigen. Zeigen, was im schicken Italiener steckt, zeigen was er kann. Vor allem geht es auch darum zu beweisen, dass all die Vorurteile, wonach es sich beim Levante letztlich doch nur um ein Hausfrauen- oder Angeber-SUV handelt, schlicht und einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Und der, der diese Charaktereigenschaften dem Reporter demonstrieren wird, das ist Ryan, der seit zehn Jahren im Emirat Dubai lebt. Ich nehme auf dem Beifahrersitz Platz und suche vorsorglich schon mal den seitlichen Haltegriff. Ich werde ihn gebrauchen. Auch gut, dass wir angeschnallt sind. Unser Spielplatz befindet sich unweit des Mleiha Archaeological Centers in Dubai. Und dort demonstriert und beweist Ryan bei einem wilden Ritt über und durch die Sanddünen, dass der Maserati Levante nicht nur mächtig Sand aufwirbeln kann, sondern dass er mehr ist als das Schickimiki-SUV der Frauen der Scheichs mit dem man kurz mal schnell zum Shoppen in die Glitzer-Metropole fährt. Sondern, dass der Levante vor allen Dingen eines ist: ein Allrader, der auch im tiefsten Wüstensand besteht und alle Eigenschaften mitbringt, die ein echter Offroader haben muss: Power, Agilität und absolute Geländegängigkeit. Ein – sorry die Damen – echtes Männerspielzeug halt. Vor allem aber bringt der Levante Musik in die Wüste. Herausgeblasen durch die Vierflutabgasanlage. Der röhrende Sound des 3,0-Liter-Aggregats klingt dabei eher nach einem hungrigen Raubtier. Ein Sound, der das Einschalten des Autoradios absolut überflüssig macht. So gut kann Musik nicht klingen. Ein Kollege beschrieb den Sound so: „Einfach zum Niederknien.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gelungener Spagat zwischen Outdoor und Boulevard

Es ist kein Zufall, dass die Millionen-Metropole Dubai gewählt wurde, um die Vielseitigkeit des Levante herauszustellen. Dubai mit über neun Millionen Einwohner die größte Stadt der sieben Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf und gleichzeitig Hauptstadt des gleichnamigen Emirats. Hier spielt sich fast das gesamte wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Leben des Emirats ab. Die Metropole am Persischen Golf zählt seit 2013 mit jährlich bis zu 14 Millionen ausländischen Touristen zu den meistbesuchten Städten der Welt. Dubai, das ist die Stadt der Wolkenkratzer, die funkelt und glänzt und in der so ziemlich alles XXXXL ist: die größte Shopping Mall der Welt, der höchste Turm der Welt, der Burj Khalifa mit 828 Metern Höhe und und und. Welche Metropole als Umfeld könnte sich also besser eigenen, um den Beweis anzutreten, dass der Spagat zwischen Outdoor SUV, der auch in der Wüste daheim ist und einem SUV das auch auf einem Prachtboulevard bella Figura macht, gelingen kann als im bis zu 46 Grad heißen Wüstenstaat, wo der Italiener im Reigen etlicher anderer Premium-Modelle zwar nicht sonderlich auffällt, aber trotzdem eine bedeutende Rolle spielt?

Der Maserati Levante besteht die Testfahrt im Wüstensand mit Bravour.
Erstes SUV des italienischen Herstellers

Seit dem Jahr 2016 hat der italienische Automobilhersteller Maserati natürlich auch das im Modellprogramm, worauf heutzutage keine Hersteller, der was auf sich hält,verzichten kann: einen SUV. Und der Levante ist das erste SUV des italienischen Herstellers mit dem Dreizack im Emblem. Präsentiert wurde der Levante 2016 auf dem Genfer Autosalon, wo er natürlich mit Spannung erwartet wurde. Woher aber kommt die Bezeichnung „Levante“? Ganz einfach: Seit 1963 benennt der Sportwagen-Hersteller Maserati ganz besondere Modelle nach berühmten Winden. Mistral, Bora, Khamsin oder der aktuelle Ghibli wehen durch Historie und Gegenwart. Seit einem Jahr nun auch der Levante, das erste SUV der feinen Fiat-Tochter. Und jetzt wird der warme Ostwind aus dem Mittelmeer aufgefrischt. Natürlich erhoffen sich die Herren aus dem italienischen Modena, dass der Levante auf den Absatzmärkten keine laues Lüftchen bleiben, sondern einen Absatzsturm entfachen wird. Wobei Maserati den Hauptabsatzmarkt für den Levante im Reich der Mitte, in China, sieht, wie auf der internationalen Pressekonferenz im Al Wadi Desert Resort erklärt wurde. Und dort schwört man auf das italienische SUV.

Kraftvolle Motoren, geiler Sound

Denn die Motoren der Levante-Modelle bieten alles, was man von einem Maserati erwartet – von der brachialen Kraft bis hin zur Leichtigkeit und Raffinesse auf langen Strecken. Sie sind auch außerordentlich effizient. Der 3,0-Liter-V6-Turbodiesel zum Beispiel beschleunigt den Levante mit der beeindruckenden Leistung von 275 PS (202 kW) in nur 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 225 km/h. Das Start&Stop-System stellt den Motor bei jedem Ampelhalt ab und startet ihn automatisch zum Anfahren neu, was Verbrauch und Emissionen weiter senkt.

Feinste Innenausstattung von Zegna
Übersichtlich und edel. Das Cockpit des Levante.

Ein weiteres Highlight: Erkennt das Q4 System des Levante geringe Bodenhaftung, beispielsweise auf rutschigen Straßen oder bei Kurvenfahrt mit hoher Geschwindigkeit, so reagiert es sofort: In nur 150 Millisekunden ändert es die Verteilung des Drehmoments von einem Hinterradantrieb zur gleichmäßigen Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Damit bleibt der Wagen in jeder Situation kontrollierbar, während er ansonsten die typische Agilität des Maserati Hinterradantriebs besitzt. Keine Abstriche gibt es auch bei der Innenausstattung: Dafür bürgt Ermenegildo Zegna, einer der weltweit führenden Designer und Kooperationspartner von Maserati. Zegna steigert die Exklusivität des Levante mit feinstem Leder, kombiniert mit Einsätzen aus natürlicher Maulbeerseide von Zegna bei Sitzen, Türverkleidungen, Dachhimmel, Sonnenblende und Dachbedieneinheit. Die Seide ist mit einem handgenähten Chevron-Muster verziert. Sitzflächen und Sitzlehnenmittelbahnen sind aus Seide, Türverkleidungen, Dachhimmel und Sonnenblenden mit Zegna Seidenjersey bezogen – Maseratiherz was willst du mehr?

Da gibt’s nix zu meckern. Auch auf der gut ausgebauten Teerstraße macht der kräftige Italiener, unter dessen Motorhaube ein Sechszylinder-Turbo-Benziner wuchtet, eine bella gura. Zu überhören ist er ohnehin nicht.

Fotos: Maserati

 

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