smart fortwo electronic drive – Zügelloses Temperament

Nur wenige Wochen nach der Einführung der neuen schickt Smart seinen kleinen Zweisitzer nun auch als luftige E-Cabrio-Variante ins Rennen – mit allen Vor-, aber auch allen Nachteilen, die den E-Mobilen immer noch nachhängen.

Unter Strom steht die Mercedes-Tochter Smart. Nach den neuen Elektro-Varianten Fortwo und Forfour wurde nun auch das Smart-Cabrio unter Strom gesetzt. Es ist seit Juli für 25.200 Euro im deutschen Handel – abzüglich der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge, die Besitzer vom Staat einstreichen dürfen. Durfte sich der luftige Bonsai-Benz schon in der Verbrenner-Version mit dem Superlativ des günstigsten Cabrios auf dem Markt schmücken, so können sich die stromernden Oben-ohne-Smart-Piloten jetzt damit rühmen, im einzigen rein elektrisch fahrenden Serien-Cabriolet zu sitzen – auch wenn es sich dabei um begriffliche Hochstapelei handelt. Denn natürlich ist der kleine Zweisitzer mit den unverrückbar fest stehenden B-Säulen ebenso wenig ein „echtes“ Cabriolet wie die artverwandten Genossen Fiat 500C oder DS3.

Immerhin muss man zugeben: Stürmischer als im Smart-Cabrio geht es in keiner anderen Fortwo-Variante zu. Das auch im offenen Electric-Drive-Modell angewandte Prinzip ist nicht neu: Ein textiles Faltdach surrt auf Knopfdruck binnen zwölf Sekunden nach hinten und stoppt erst mal an der hinteren Dachkante. Das ist kein Hexenwerk, funktioniert wie ein Schiebedach, bei welcher Geschwindigkeit auch immer. Drückt man weiter aufs Knöpfchen, setzt sich der Faltvorgang fort und das ganze Package, inklusive der gläsernen Heckscheibe, legt auf der Heckklappe ab. Das schränkt zwar die Sicht nach hinten spürbar ein, dafür steht einem als Entschädigung der Himmel grenzenlos offen. Erst recht, wenn jetzt noch die seitlichen Dachholmen entnommen und passgenau in der Heckklappe verstaut werden.

Renault liefert den E-Motor

Der 60 kW (81 PS) starke E-Motor stammt aus dem Regal des französischen Kooperationspartners Renault. Wie alle Vertreter der stromernden Zunft entfacht er sein Temperament mit Hilfe von maximal 160 Nm Drehmoment zügellos vom ersten Zucken des Strom-Fußes an. Die unter den Sitzen eingebaute Lithium-Ionen-Batterie hat wie beim Vorgänger nur eine Kapazität von 17,6 kWh, was laut NEFZ-Testzyklus (Neuer Europäischer Fahrzyklus) für eine Reichweite von 155 Kilometern reichen soll, in der Realität dem Vortrieb aber spätestens bei 110 bis 120 Kilometern ein Ende setzt. Außerdem nimmt die Fahrdynamik rapide ab, je näher sich das etwa 1,2 Tonnen schwere E-Cabrio der abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h nähert. Dass in diesen Geschwindigkeitsbereichen zudem die Reichweite wie Schnee in der Sonne zusammenschmilzt, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.

Auch die Ladesituation stellt sich immer noch wenig erquicklich dar. An der heimischen Haushaltssteckdose (230 Volt, 16 Ampere) dauert es, obwohl es sich ja eher um eine kleine Batterie handelt, ganze sechseinhalb Stunden, bis die Akkus wieder zu 80 Prozent aufgefüllt sind. An einer sogenannten Wallbox (32 Ampere), für die freilich 700 bis 800 Euro plus Installation extra hingeblättert werden müssen, ist dieses Ziel in rund dreieinhalb Stunden erreicht. Erst bei einer Drei-Phasen-Ladung mit einem 22-kW-Schnelllader benötigt man lediglich 45 Minuten, bis zumindest vier Fünftel der aus 96 Zellen bestehenden Batterie wieder aufgeladen sind. Dafür muss der Smart allerdings auch mit einem entsprechenden On-Board-Lader technisch gerüstet sein, was für beide Komponenten weitere Zusatzkosten von zusammen etwa 1.500 Euro beschert. Eine Investition, die wegen der Möglichkeit, den Smart an öffentlichen Schnellladestationen anstöpseln zu können, dennoch empfehlenswert erscheint.

Erwachsener als die Vorgängergeneration

Im Fahrverhalten präsentiert sich das ed-Cabrio wie seine elektrischen Smart-Brüder spürbar erwachsener als die Vorgängergeneration. Sein extrem kleiner Wendekreis (6,95 Meter) sorgt für Handlichkeit, Agilität und ein gewisses Go-Kart-, oder besser sogar Autoscooter-Feeling. Das Mehrgewicht des Frischluft-Smarts wirkt sich kaum negativ auf die Fahreigenschaften aus. Es gibt kein nervöses Geruckel bei Querfugen mehr, und das Poltern beim Überfahren von Kanaldeckeln ist zwar immer noch spürbar, ohne allerdings die Bandscheiben in ähnlicher Weise zu malträtieren, wie das der Vorgänger tat. Serienmäßig sind im Gegensatz zu den benzingetriebenen Geschwistern immerhin Klimaanlage und Radio an Bord.

Der offene smart kommt flott und nahezu lautlos daher. Auf Knopfdrucke oben offen: das Faltdach öffnet sich zügig.
smart fortwo electronic drive
  • Motor: Drehmoment-Synchronmeter
  • Leistung: 81 PS (60 kW)
  • Batterie: Lithium-Ionen-Batterie Kapazität: 17,6 kWh
  • Beschleunigung: 0-100 km/h in 11,8 sec
  • Top-Speed: 130 km/h (abgeriegelt)
  • Verbrauch: 13,0 kWh/100 km

Foto: Daimler AG

 

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