Jeep CJ-7 im Eigenbau – Auf Holz geklopft

Holz Jeep fahrend draussen
Zimmermann Norbert Arnold mit seinem Holzjeep on the road
Man kann dem Jeep CJ-7 durchaus nachsagen, er wäre etwas hölzern – seinem kultigen Ruf hat das aber nie geschadet. Der Zimmermann Norbert Arnold hat den Charakter des Autos auf die Spitze getrieben: Er baute diese Offroad-Ikone gleich komplett aus Holz. Fahrfertig – mit 300 PS im Schrank.

Solche Momente kennen und genießen viele: eine Kiste Bier, viele gute Freunde und ausgelassene Stimmung. Was 15 Männer um den Zimmermann Norbert Arnold mit der guten Laune allerdings taten, war weniger üblich: Sie hopsten auf einem massiven Holzrahmen herum. Der denkwürdige Abend war nämlich viel mehr als ein lockeres Treffen – es war ein Belastungstest für Arnolds werdendes Auto. Dabei war sein Einfall, einen Jeep CJ-7 so weit wie möglich aus Holz zu bauen, alles andere als eine Schnapsidee. Seit sein ältester Bruder vor gut 25 Jahren mit so einem knorrigen Offroader auftauchte, ist er der Marke verfallen.

Das Talent zum Schrauben hat Arnold seit Langem

Damals kaufte er sich sofort selber einen abgerockten Wrangler und ist der Marke bis heute treu belieben. Und wie das Leben so spielt, hatte er im Jahre 2009 durch Veränderungen im Privatleben plötzlich etwas ganz Wertvolles: Zeit. Das Schraubertalent brachte er mit – schon im zarten Alter von zehn Jahren tunte er Mopeds, an seinen alten Jeeps übte er Reparieren, Frisieren und seine Rest-Energie zu kanalisieren. Und in weiser Voraussicht hatte er vor vielen Jahren zwei Wrangler-Achsen gekauft, die in der Garage verstaubten. Zeit, Achsen, Talent und Wissen in Sachen Holz – da liegt es fast nahe, auf die Idee zu kommen, einen einzigartigen CJ-7 zu zimmern.


Zimmermann lackiert Front Holzjeepp
4.000 Arbeitsstunden werkelt Norber Arnorld an seinem Traum

„Zuerst wollte ich den originalen Willys Jeep bauen“, erinnert sich Arnold, „also besuchte ich einen Freund, der einen besaß, und schaute mir das Auto genau an.“ Das Ergebnis: „Ich war auf dem Holzweg: zu klein, zu langweilig. Und dann kam ich darauf, dass es eigentlich nur der Kult-Jeep werden konnte: der CJ-7.“ Schon die Vorbereitungen benötigten Monate. Arnold besorgte sich von seinen Jeep-Freunden zunächst unter anderem Karosserieteile und Überrollbügel, um sie als Vorlage für seine Holzkonstruktion zu nehmen. Er nutzte vorrangig Fichten- und Kiefernholz: leicht, günstig und extrem belastbar – „die sind noch fester als Eiche.“ So ein Zimmermann muss das wissen. Den Rahmen konstruierte er zuerst: „Der musste natürlich dicker werden als das Original aus Stahl, um ebenso belastbar zu sein. Das heißt: in der Breite statt sechs nun zwölf Zentimeter, in der Höhe statt zwölf 20 Zentimeter.“ Den Freundestanz an besagtem Abend überstand das Teil übrigens problemlos.

Gegen Langeweile: fetter 300 PS-V8
2 Männer schrauben an Jeep in Halle
Die meisten Arbeiten am Holz-Jeep hat Norbert Arnold selber erledigt – ab und zu braucht er aber doch Hilfe. So leicht das Kiefernholz auch ist – bei massivem Einsatz wiegt es dann doch eine Menge.

Was auch nötig ist, denn die Konstruktion sollte später einen V8 aus einem 79er Jeep Wagoneer tragen – 300 PS stark dank scharfer Nockenwelle, Edelbrock-Ansaugspinne und -Vergaser. Den Motor hatte sich Arnold für 5.000 Euro bereits gesichert und mit einer Viergang-Automatik aus dem Jeep Cherokee gekoppelt. Den originalen 4,9-Liter- V8 im CJ-7 fand er zu langweilig für seinen One-Off. So entstand Stück für Stück ein Natur-Offroader. Rundungen formte Arnold durch verleimte Kanthölzer, die er abhobelte. Doch eine Aufgabe wurmte den Holzmann nachhaltig: die runde Karosserie-Partie zwischen unterem Frontscheibenrahmen und Motorhaube. Denn die ließ sich nicht mit herkömmlichen Methoden herstellen.

 4.000 Arbeitsstunden in vier Jahren

Also recherchierte der geduldige Handwerker und kam auf das Handwerk der Fassbauer. Die biegen Holz mit heißem Wasserdampf. Aber das will gelernt sein. Der erste Versuch – rund zehn Stunden Arbeit hintereinander – scheiterte grandios. Ebenso der zweite und dritte. Der vierte gelang perfekt – aber leider ließ Arnold das fertige Teil zu schnell  trocknen, sodass es riss. Erst beim fünften Mal hatte Arnold, was er brauchte – nach gut 50 Stunden Arbeit. Apropos: Für das gesamte Auto benötigte er 4.000 Arbeitsstunden innerhalb von vier Jahren (selbstverständlich nur nach Feierabend und am Wochenende) und steckte rund 30.000 Euro in den baumstarken Ami. Der schließlich einen Überzug aus Bootslack bekam: „Nur der ist flexibel genug für das Auto – denn sehr verwindungssteif ist die ganze Konstruktion natürlich nicht.“ Innen schaut man heute ebenfalls fast nur auf Holz, wie sich das gehört. Die Sitze: null gepolstert. Das Lenkrad: ein wunderbares Stück aus einem Motorboot – ausnahmsweise nicht von Arnold selbst gemacht. Das Cockpit: mehr Naturmaterial als bei Rolls-Royce und Bentley zusammen. Die könnten sich hier noch eine echte Scheibe abschneiden.

Weitere Details zum Holz-Jeep:

 

Nur zwei Arbeiten am Auto gab er in fremde Hände: Die Elektrik überließ er jemandem, der damit professionell umgehen kann, und die Airbrush-Arbeiten gestaltete ein Künstler. Denn Arnolds Vision war: Was nicht aus Holz sein kann, soll wenigstens so aussehen. So nahm sich der Farbensprayer unter anderem die Achsen, den Kühler, das Getriebe, den Tank und den Motor vor und versteckte so viel Metall wie möglich unter Holz-Optik. Endlich konnte Arnold die mobilen Lebensringe zum Beispiel auf Holzbau- und Forstmessen und bei US-Car- Meetings zeigen – und er ist damit bis heute der King of Cool.

„Ich kann das Auto keinen Moment aus den Augen lassen.“Tüftler Norbert Arnold

Nur, dass so viele Interessierte mindestens dreimal auf das Holz klopfen, als könnten sie nicht glauben, was das für ein wundersames Material ist – „ich kann das Auto keinen Moment aus den Augen lassen“. Nur für sich probierte er dann auch mal aus, was es kann – und fuhr am Rande einer Messe in Tübingen in dem Flachwurzler-Konglomerat auf abgesperrter Strecke 130 km/h. In einer Kiesgrube kraxelte er mit dem Eigenbau über Fels und Stein – das Holz gewann.

 

Karosserie Holzjeep
Würde der TÜV ihn lassen, könnte der Holz-Jeep mit seiner Technik problemlos rasen und klettern.
Mit 58 km/h Spitze ist der TÜV auf dem Holzweg

Letztlich gibt es nur zwei Dinge, die das Auto nicht sehen werden, solange es in Arnolds Besitz ist: Matsch und TÜV. Matsch deshalb, weil Arnold keine Lust auf eine Handvollwäsche hat – Regen dagegen ist kein Problem. Anders als eine Straßenzulassung: Da der Rahmen naturgemäß keine alte Fahrgestellnummer aufweisen kann, würde das Auto als Neuwagen gelten. Mit einem Benzin saufenden V8 von ’97 allerdings sind aktuelle Emissionswerte kaum einzuhalten. Bei einer vorsichtigen Anfrage beim Überwachungsverein wurde Arnold zusätzlich signalisiert, mit einem wie auch immer erlangten Kennzeichen höchstens 58 km/h Spitze fahren zu dürfen – knapp unterhalb des vorgeschriebenen technischen Mindesttempos für Schnellstraßen. „Aber mit 300 PS nur 58 km/h zu fahren kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Arnold folgerichtig. Heute führt der 47 Jahre alte Zimmermann eine Karosseriebaufirma in Frickenhausen. Und überlegt tatsächlich, den Holz-CJ-7 zu verkaufen. Vielleicht klopft ja „Fiat Chrysler Automobiles“ mal an Arnolds Tür, um den wohl härtesten Jeep unter Gottes Sonne zu erwerben. Sein CJ-7 wäre durchaus würdig, beim 75. Geburtstag der Marke Jeep mitzufeiern.

Text: Roland Löwisch

Fotos: Bernd Hanselmann

 

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