Der Aston Martin DBS Superleggera Volante auf einem Roadtrip

Absolute Aufmerksamkeit ist bei dieser Ansammlung von Aston Martin Modellen garantiert.
Brexit vollzogen, James Bond lässt warten, Genfer Salon abgesagt: Für Aston Martin lief es auch schon mal besser. Wie schön, dass sie Briten vor dem Lockdown noch mal zu einer exklusiven Tour mit fünf ihrer Modelle starteten.

Die Welt von Aston Martin scheint ein wenig aus den Fugen geraten. Der Genfer Salon, den die Briten sonst mit ihrem Glanz schmücken: Wegen Corona abgesagt. Der neue Film über James Bond, den die Briten motorisieren dürfen (ohne übrigens dafür zu bezahlen): Starttermin auf ungewisse Zeit verschoben, natürlich auch wegen Corona. Und dann noch der Brexit, der den Verkauf englischer Produkte auf dem Kontinent künftig kräftig erschweren wird.

Das DBS Superleggera Coupè garantiert Fahrspaß pur.

 

Gut, dass wenigstens die Autos selber richtig klasse sind, schnell und stark und mit, sorry: geilem Design. Das bewies noch einmal eine Tour kurz von Genf nach Nürburg am Ring vor dem Lockdown, an die wir uns jetzt besonders gerne erinnern.


Fünf Modelle waren dabei. Die geschlossenen: Das V8 Vantage Coupé. Das DB11 V8 Coupé. Das DBS Superleggera V12 Coupé. Und natürlich unsere Herzens-Angelegenheit, die offenen: Der DB11 V8 Volante. Und der DBS Superleggera V12 Volante. James Bond würde neidisch werden.

Das Lenkrad passt in seiner Form nicht zum Äußeren des DBS, aber die Materialien und das Ambiente sind atemberaubend.

 

Die Gemeinsamkeiten der optisch recht ähnlichen Sportwagen sind schnell ausgemacht. Der V8 aus Affalterbach arbeitet in Vantage und DB11, die Mittelkonsole ist überall mit dem Info-Tainment-System von Continental bestückt. Wir kennen das aus diversen Mercedes-Modellen.

Die Technik aus Deutschland arbeitet solide, der V8 liefert, das Infotainment-System ist nicht brandneu, aber es läuft. Und wir freuen uns über sicht- und spürbares Handwerk in allen fünf Autos. Gaydon kann das mit großer Überzeugung darstellen. Egal ob Lenkrad, Sitze, Verkleidungen, Himmel und Fußboden, alle Fünf strahlen diesen Charme der modernen Vergangenheit aus.

 

Cabriolife-Redakteur Klaus Ludewig im orangen DBS Superleggera Volante.

 

Wir starten mit dem Vantage. V8 von AMG, zwei Turbolader, in drei Varianten auf dem Markt: Das Coupé mit 510 PS für 154.000 Euro. Der Roadster, gleiche Technik, etwa 100 Kilo schwerer für 157.300 Euro, sowiedas Coupé mit dem Zusatz AMR und Handschaltung, Kostenpunkt 185.000 Euro, in einer speziellen Edition sogar 210.000 Euro. Druck auf den Startknopf. Die Abgasanlage schickt ein Bollern, Röhren und auch ein Sprotzeln in der Ohren der Zuhörer, weniger aufdringlich als in einem Mercedes-AMG. Sportlich, klingt nach Kraft aber eben mit dem Gewürz „british sportscar.

 

Aston Martin Parade vor dem Chateau Voltaire in der Nähe von Genf.

 

Dieses lässt sich sauber in Kurven stellen und wieder raus kitzeln. Dass alles geschieht dank modernster Technik. Das Transaxle-Prinzip schafft eine Fifty-Fifty-Gewichtsverteilung, das adaptive Dämpfer-Team läßt den Wagen auch bei quer- oder längsdynamischen Ausflügen der härteren Art sauber auf der Bahn laufen. Man kann von Komfort bis Track wählen, der Wagen stellt sich darauf ein und er ist ein sauberer Läufer, was bedeutet, dass er weitestgehend neutral unterwegs ist. Allzu beherzte Lenkmanöver beantwortet der Brite mit recht ruhigen Zuckungen, die man mit ruhiger Hand in den Griff bekommen kann. Ruhig und gelassen kann er auch. Also cruisen oder wandeln. Womit wir beim DB11 wären.

Der Aston Martin DBS Superleggera Volante, einer der Stars bei dieser exklusiven Ausfahrt.

 

Wieder als Coupé, mit dem gleichen Motor wie beim Vantage unter der Haube. Knapp 200 Kilo schwerer als der Vantage. Und das liegt an den Maßen. Länger, mit mehr Radstand und, das ist wichtig, zwei Plätzchen hinter den Sitzen. Für Taschen, Tüten, Fåußbälle oder Kleidersäcke. Eingestiegen und gleich die fünf gläsernen Richtungsgeber entdeckt. Man sitzt perfekt, Stuhl einstellen, Volant richten. Das Navi ist schnell und exakt. Der Chefbutton wird gedrückt, Engine Start, der V8 ruft zurück und wir rollen los.

 

Der DB11 ist der kraftvollste und effizienteste Serien-DB in der Geschichte von Aston Martin.

 

Raus aus der Stadt: Kurven tauchen auf und die Lenkung wird ein wenig gefordert. Je schneller, desto sauberer, wie beim Fahrwerk, das weit mehr kann, als man dem Wagen eigentlich zumute will. Vier Sekündchen vergehen bis 100 km/h. Bei 300 ist Feierabend. Zurück auf null: Der Aston bremst sauber ab, Fading ist ein Fremdwort, wenn man nicht gerade x Runden auf der Rennstrecke abspult. Das Getriebe sortiert schnell und sauber. Zwischen die Gänge passt kein Wimpernschlag und man fühlt sich im sportlichen Modus des Wagens noch immer sehr, sehr gut aufgehoben.

Die Tour hielt vom Wetter alles bereit. Schnee, Sonne und Regen bringen die Aston Martin Modelle nicht aus der Ruhe.

 

Dann der DBS, der klassische Bond-Bolide. Heute als Superleggera mit 725 PS das Flaggschiff der Marke für knapp 275.000 Euro. Plus Extras.

Die Maße sind nahezu identisch mit denen des DB11 und bei den Fahrleistungen sieht die Sache dann natürlich ein klein wenig anders aus: 3,4 bis 100 und 340 Spitze. „Er reist schnell“, wusste man einst über Bond zu berichten, das passt ja. Die Tankanzeige wirkt seltsam lebendig, wir schätzen, dass im Moment gut 30 Liter pro 100 Kilometer durch die Leitungen fließen.

 

Markant die goldenen Bremssättel beim DBS Superleggera Coupè.

 

Und dann, endlich, sind da noch zwei Volantes. Aston-Martinisch für Cabrios. Der DB11 und der DSB Superleggera mitStoffdach; der Vantage ist bald auch als Roadster unterwegs. Natürlich dieGretchen-Frage: Wie hälst Du´s mit dem Mehrgewicht?? 110 Kilo der DB11, null der DBS Superleggera. Sagt AM. Und dann noch eine: Ist das Fahrverhalten anders als beim Coupé? Verwindungssteifigkeit und so? Haben wir echt engagiert ausprobiert. BeideModelle durch Windungen geschickt, hart am Lenkrad gedreht, dem Bremspedal einen feinen Abdruck der Sohle unseres Schuhs verpasst und die Volantes dann mit einem schönen Gasstoss aus den Kurven rausgejagt.

James Bond würde vermutlich neidisch werden.

 

Und wir haben dann genau hingehört. Nichts, absolut nichts. Kein Springen, kein Pfeifen, kein Flattern oder was auch immer eine Unruhe im Wagen zeigen würde. Man hat in Gaydon wohl ein paar Jahrzehnte Erfahrung in der Kunst des B-Säulen-Entfernens. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass die offenen Wagen noch vor dem Coupé gezeichnet wurde. Und so lange das so bleibt, ist, von Brexit bis Bond, alles andere eigentlich egal.

 

Die Schönheit des Superleggera lässt keinen Raum für Zweifel. Seine Leistung ist über alle Argumente erhaben.

 

Information: www.astonmartin.com

 

Text: Klaus Ludewig

Bilder: Aston Martin

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