Im Ganzen gewachsen, im Detail gereift – Der VW Tiguan

FAT-Redakteur Klaus Ludewig ist begeistert vom neuen Tiguan und den spektakulären Einlagen des Profi-Bikers.
FAT-Redakteur Klaus Ludewig ist begeistert vom neuen Tiguan und den spektakulären Einlagen des Profi-Bikers.
Mehr Mini-Touareg als Hochbock-Golf: In der neuen Generation tritt der VW Tiguan deutlich selbstbewusster und spürbar größer an. Dazu wurden die Stärken des SUVs aufpoliert.

Der VW Tigaun ist in der zweiten Auflage doppelt gewachsen: Zum einen bei Abmessungen und Platzangebot, zum anderen in Sachen optischer Präsenz. Dazu erhält er neue Technik-Optionen wie einen Stauassistenten, mehr Sicherheitsausstattung schon in der Basis und ein ausgefuchsteres Offroad-Profil. Die Preise starten zunächst bei 30.025 Euro für die 150 PS (110 kW) starke Dieselversion mit Frontantrieb.

Weltweit 2,8 Millionen verkauft

Hatte Volkswagen die 2007 eingeführte erste Generation des Tiguan zunächst als Nischenmodell verstanden, ist das Kompakt- SUV seitdem mit 2,8 Millionen weltweit verkauften Einheiten im Eiltempo zum integralen Marken- Standbein neben Polo, Golf und Passat gewachsen. Generation zwei unterstreicht das mit schärfer gezeichnetem Blech, einprägsamerer Frontgestaltung und stämmigeren Proportionen. Der Tiguan legt in Länge und Breite zu, während die Höhe leicht schrumpft und die Räder näher an die Karosserieenden rücken. Das sorgt nicht nur für stimmige Optik, sondern auch für spürbar mehr Platz im Innenraum.


Mehr Beinfreiheit für die Fond-Passagiere

Die Fond-Passagiere freuen sich über drei Zentimeter mehr Beinfreiheit, der Kofferraum legt auf 520 Liter zu. Wer noch mehr Platz für Ladung benötigt, kann nun die Rückbank um 18 Zentimeter nach vorne rücken und 615 Liter verstauen. Werden die Sitze eben in den Boden versenkt, stehen sogar 1.655 Liter zur Verfügung. Hilfreich beim Beladen ist zudem die noch einmal um einige Zentimeter gesenkte Ladekante. Allesamt Vorteile der neuen Architektur. Musste man beim aus Golf- und Passat-Komponenten  zusammengesetzten Vorgänger noch ein paar Kompromisse in Sachen Alltagstauglichkeit machen, erlaubt der neue MQB-Baukasten eine genauere Anpassung der  Fahrzeugstruktur an den SUV-Alltag.

Der VW Tiguan ist in der Höhe geschrumpft, hat aber an Länge und Breite zugelegt. Für den BMX-Profi Alexandre Monleon ist er dennoch kein ernstzunehmendes Hindernis. Er springt locker drüber.
Der VW Tiguan ist in der Höhe geschrumpft, hat aber an Länge und Breite zugelegt. Für den BMX-Profi Alexandre Monleon ist er dennoch kein ernstzunehmendes Hindernis. Er springt locker drüber.

Auch vorne geht es gewohnt geräumig zu. Die beliebt hohe Sitzposition ist noch ein wenig höher geworden, was der Übersicht im Verkehrsgeschehen zugutekommt. Das Cockpitdesign wirkt analog zum kraftvolleren Äußeren nun ebenfalls markanter. Neben aufwendig lasergeprägten Kunststoffoberflächen und einem rahmenlosen Innenspiegel ist vor allem das bereits aus dem Mittelklassemodell Passat bekannte Virtual Cockpit, bei dem ein TFT-Monitor die konventionelle analoge Uhrensammlung ersetzt, ein Hingucker (ab 510 Euro). Eher verzichtbar scheint da das ähnlich eingepreiste Head-up-Display, das zudem nicht direkt in die Windschutzscheibe, sondern auf eine ausfahrbare Plastikfolie projiziert. Insgesamt dürfte sich der Tiguan beim Innenraum hinsichtlich Ambiente, Verarbeitung und Technikoptionen an die Spitze des Volumensegments setzen.

Auch bei der übrigen Technikausstattung fährt der VW vorne mit. Serienmäßig an Bord sind unter anderem sieben Airbags sowie ein kamerabasierter Spurhaltehelfer und ein Notbremsassistent mit Radartechnik. Gegen Aufpreis gibt es nun einen Stauassistenten, der im stockenden Verkehr das Lenken und Bremsen übernimmt und eine Umfeldüberwachung per Kamera, die auch bei Geländefahrten hilfreich ist. Dort erleichtert auch der optionale Haldex-Allradantrieb inklusive elektronischer Differentialsperre seinen Dienst. Er ist an eine Fahrprofilauswahl gekoppelt, die neben vordefinierten Programmen für das Fahren auf Asphalt, Schnee und Geröll auch eine frei konfigurierbare Einstellung für ambitioniertere Offroadfahrer bietet. Wer wirklich ins Gelände will, sollte auch das Offroad-Paket mit angeschrägter Front, Karosseriehöherlegung und Unterfahrschutz wählen (ab 330 Euro).

Geschwindigkeit, Unabhängigkeit, Wagemut – dafür steht das Auto.

Auch wenn sich der Tiguan dank der elektronisch gesteuerten Allradtechnik für ein Kompakt- SUV relativ souverän in leichterem Gelände bewegt, bleibt sein Haupteinsatzgebiet die Straße. Dort fährt er sich gewohnt unkritisch mit einer mehrheitstauglichen Mischung aus Komfort und Agilität. Die präzise Lenkung gefällt genauso wie die verbindliche Dämpfung, die Karosseriebewegungen im Rahmen hält. Durchaus beeindruckend steckt er mit seinem gewachsenem Radstand und der versteiften Karosserie die häufig mäßige Straßenqualität im Berliner Umland weg, was den schon bei Design und Verarbeitung hochwertigen Eindruck nochmals unterstreicht. Und auch in der Stadt ist der Neue trotz gewachsener Abmessungen dank guter Übersichtlichkeit und ordentlich kleinem Wendekreis handlich genug.

Interieur-Design: Der VW Tiguan im Detail

Als Antrieb durchaus angemessen zeigt sich der durchzugsstarke, bereits zur Markteinführung erhältliche 2,0-Liter-Diesel (150 PS/110 kW), der wahlweise mit manuellem Getriebe und Frontantrieb oder mit Allrad und Doppelkupplung zu haben ist (ab 33.925 Euro). Eher eine Außenseiterrolle in Deutschland dürfte der dritte Startmotor, ein 2,0- Liter-Benziner (180 PS/132 kW, ab 34.450 Euro) und Allradantrieb spielen. Das Portfolio wird im Jahresverlauf ergänzt, sodass dann insgesamt drei weitere Benziner (125 PS/92 kW, 150 PS/110 kW, 220 PS/162 kW) sowie drei weitere Diesel (110 PS/85 kW, 190 PS/140 kW, 240 PS/176 kW) zur Wahl stehen.

Garantie gibt es nur für zwei Jahre

Viel zu kritisieren gibt es beim Tiguan also nicht. Der Wolfsburger erfindet das Kompakt-SUVSegment nicht neu, widmet sich dessen Anforderungen aber konzentrierter und kompromissloser als manche Konkurrenten. Und das hat seinen Preis. Auch wenn die Anschaffungskosten der Grundmodelle auf den ersten Blick nicht gestiegen sind, sorgt doch die verschachtelte Preisstruktur in der Optionsliste mit ihren zahlreichen Zwangskoppelungen (Memoryfunktion nur in Verbindung mit Ledersitzen) für teils deftige Endpreise. Dazu gibt es die übliche Geiz-Garantie von zwei Jahren. Europas SUV-Bestseller Qashqai beispielsweise dürfte bei preisbewussten Kunden so weitere Punkte sammeln können. Doch der Tiguan hat längst höhere Ambitionen und schließt mit der Neuauflage noch konsequenter die Lücke zu den Angeboten der Premiumhersteller. Und unter ihm ist in der VW-Modellhierarchie künftig wieder viel Platz für ein kleineres und günstigeres SUV.

Der neue VW Tiguan überzeugt mit neuem Design, hohem Komfort, erstklassigen Fahreigenschaften und umfassender Connectivity.
Der neue VW Tiguan überzeugt mit neuem Design, hohem Komfort, erstklassigen Fahreigenschaften und umfassender Connectivity.
VW Tiguan 2,0 TSI 4Motion DSG
  • Motor: 2,0-Liter-Turbobenziner
  • Leistung: 180 PS (132 kW)
  • Stauraum: 520-1.655
  • Gewicht: ab 1.568 kg
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Antrieb: Allrad
  • 0-100 km/h: 7,7 sec
  • Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
  • Verbrauch: 7,4 l/100 km
  • Effizienzklasse: D
  • ab 34.450 Euro (Ausstattungslinie Comfortline)
  • www.volkswagen.de

Text: Klaus Ludewig

Fotos: Volkswagen AG

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