Land Rovers Transparent Bonnet-System – Voller Durchblick

Wer mehr sieht, hat mehr vom Leben: Insekten profitieren von ihren Facettenaugen.
Wer mehr sieht, hat mehr vom Leben: Insekten profitieren von ihren Facettenaugen.
Offroadfahren wird bald (noch) einfacher: Land Rover entwickelt ein Kamerasystem, das dem Fahrer zeigt, was der Boden unter seinem Vorderwagen für Überraschungen parat hält – das „Transparent  Bonnet-System“.

Offroader kennen das Problem: Klar, den Felsen hat man schon gesehen, aber je mehr man sich ihm nähert und je weiter er wegen des Vorderbaus des Autos aus dem Blick entrückt, weiß man nicht mehr, welche Form er hat, ob er nicht doch etwas zu hoch für die Achse ist oder er den Unterboden in anderer Form beschädigen könnte. Also: Beifahrer raus, hinknien, dirigieren. Und wenn der nicht willig ist? Oder gar keiner an Bord ist? Die meisten würden vermutlich rückwärts fahren, um einen anderen Weg zu suchen – oder wären ein erhöhtes Risiko eingegangen. Das ist in Zukunft wohl nicht mehr nötig dank „Transparent Bonnet-System“ mit virtueller Bilderzeugung.

Nicht nur ein Design-Vorbild für die Zukunft: die Land Rover-Studie „Discovery Vision Concept“.
Nicht nur ein Design-Vorbild für die Zukunft: die Land Rover-Studie „Discovery Vision Concept“.
Der Trick: Kameras am Kühlergrill

Es klingt komplizierter, als es ist: Das Sicherheitssystem besteht hauptsächlich aus Digitalkameras, die am Kühlergrill montiert sind. Die liefern dank übersetzender Elektronik mit Head-Up-Display-Technik ein Bild vom Untergrund auf die Windschutzscheibe. Das zeigt, was sich vor und etwa bis zur Vorderachse unter dem Auto befindet. Dadurch entsteht der Eindruck, die massive Fronthaube und der gesamte Motorraum wären transparent.


Das hilft nicht nur im Gelände, sondern auch auf der Straße – zum Beispiel beim Rangieren oder Einparken. Denn die Kameras übermitteln auch die Position und die Einschlagwinkel der Vorderräder.

Noch gibt es die „Durchsichtige Motorhaube“ nur in der Land Rover-Studie „Discovery Vision Concept“, aber bald soll die Technik serienreif sein. Genauso wie die weiteren innovativen Technologiekonzepte von Land Rover. Dazu gehört zum Beispiel der „Virtual Windscreen“, der die gesamte Windschutzscheibe als Display nutzt. So behält der Fahrer stets seinen Blick auf die Fahrbahn gerichtet, ohne wichtige Informationen zu verpassen.

In Arbeit: 3D-Instrumente, die Spiegel ersetzen

Land Rover entwickelt zudem auch die Steuerung bestimmter Fahrparameter durch Gesten weiter, so dass künftig noch weniger Hebelchen und Schalter von den eigentlichen Aufgaben eines Autofahrers ablenken. Das geschieht mittels Sensoren, die erkennen, wenn sich die Stärke des elektrischen Feldes um sie herum ändert – das ist schon bei einigen Smartphones alltäglich, hier allerdings noch bei einer Distanz von nur fünf Millimetern zwischen Finger und Bedienoberfläche. Land Rover ist dabei, diese Distanz auf 15 Zentimeter zu erhöhen. Das soll gewährleisten, dass auf bestimmte Gesten auch tatsächlich eindeutig reagiert wird. Die Verantwortlichen bei Land Rover rechnen damit, dass solche Systeme schon in den kommenden Jahren Wirklichkeit werden.

Bild 1: Die übliche Sicht: Die Motorhaube begrenzt das Blickfeld. Bild 2: Sicht mit Kamera-Hilfe: Das Blickfeld ist stark erweitert.
Hilfe nicht nur für Offroad-Fahrten Das Prinzip ist einfach: Kameras an der unteren Wagenfront nehmen auf, was sich bis etwa zur vorderen Achse unter dem Wagen befindet und übertragen die Bilder auf ein Head-up-Display. Das hilft auch zum Beispiel beim Einparken mit Bordsteinen.
Hilfe nicht nur für Offroad-Fahrten
Das Prinzip ist einfach: Kameras an der unteren Wagenfront nehmen auf, was sich bis etwa zur vorderen Achse unter dem Wagen befindet und übertragen die Bilder auf ein Head-up-Display. Das hilft auch zum Beispiel beim Einparken mit Bordsteinen.

Ebenfalls in der Entwicklung sind neue 3D-Instrumente, die Innen- und Rückspiegel ersetzen können. Die Idee dahinter: Das Kombiinstrument erstellt – je nach Kopf- und Augenbewegungen des Fahrers, die durch Kameras an der Instrumententafel oder an der Lenksäule erkannt werden – ein dreidimensionales Bild. Eine spezielle Brille ist nicht notwendig, weil Software jedem Auge eine leicht unterschiedliche Perspektive des jeweiligen Bildes zeigt. Der Fahrer erkennt somit auch die Raum tiefe und kann dadurch Entfernungen einschätzen.

Text: Roland Löwisch

Fotos: Jaguar Land Rover Limited, Jaguar Land Rover Limited/Nick Dimbleby, iStockphoto

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