Maserati Tipo V4 – historischer Weltrekord

Erinnerung an legendäre Höchstleistung: Maserati Tipo V4 erzielte vor 90 Jahren Geschwindigkeitsweltrekord.
Am 28. September 1929 stellte Mario Umberto „Baconìn“ Borzacchini am Steuer eines Maserati Tipo V4 den Weltrekord für die Landgeschwindigkeit über zehn Kilometer auf. Es war ein besonderer Moment in der damals noch jungen Geschichte der Marke.

 

Das Fahrzeug hatte erst am 15. September 1929 sein Renndebüt gegeben. Pilotiert von Alfieri Maserati beendete es den Großen Preis von Monza auf dem sechsten Platz und schaffte dabei einen neuen Streckenrekord, der erst 1954 geschlagen wurde. Knapp zwei Wochen später, unmittelbar vor einem Rennen in Cremona, wurde der „Giornata dei record“ organisiert – ein Zeitfahren auf zehn Kilometern mit fliegendem Start. Das Rennen wurde auf der alten Bundesstraße Nr. 1 ausgetragen, die für rund 17 Kilometer in schnurgerader Linie östlich von Cremona verläuft. Der zehn Kilometer lange Streckenabschnitt startete am Rathaus in Gadesco Pieve Delmona und endete in Sant’Antonio d’Anniata.

Die internationalen Regeln schrieben vor, dass die Strecke in jede Richtung absolviert werden musste. Der Durchschnitt beider Zeiten bildete das offizielle Ergebnis. Borzacchini benötigte hinwärts 2:25:20 Minuten, was 247,933 km/h entsprach. Zurück brauchte er 2:27:40 Minuten (244,233 km/h). Der Durchschnitt lag entsprechend bei 2:26:30 Minuten, was einer Geschwindigkeit von 246,069 km/h gleichkam. Damit hatte Baconìn Borzacchini den Weltrekord in der Klasse C (Fahrzeuge mit 3,0 bis 5,0 Liter Hubraum) um fast 20 km/h gebrochen. Zu den Gratulanten, die an diesem Abend in Bologna feierten, gehörte auch Enzo Ferrari.


Der Maserati Tipo V4 war ein wichtiger technischer Meilenstein. Sein Antrieb kombinierte zwei identische Achtzylinder-Reihenmotoren zu einem mächtigen V16-Triebwerk. Die komplizierte Konstruktion umfasste zwei nebeneinander montierte Aggregate des Tipo 26B, die durch ein einziges Kurbelgehäuse mit zwei Kurbelwellen im 25-Grad-Winkel miteinander verbunden waren. Jede Zylinderbank hatte eine eigene Magnetzündung und einen eigenen Vergaser mit Kompressor. Das machte den Motor insgesamt 280 PS stark. Die Bezeichnung Tipo V4 bezieht sich einerseits auf die V-Anordnung der Zylinderbänke, andererseits auf die vier Liter Gesamthubraum.

Das Chassis war speziell verstärkt worden, um der enormen Leistung gerecht zu werden. Es bestand aus den damals üblichen C-Profilschienen. Zur Kraftübertragung diente ein manuelles Vierganggetriebe mit einer einzigen Gelenkwelle, die an der starr montierten Hinterachse mit halbelliptischer Federung endete. Der hohe Reifenverschleiß sowie die hohe Bremslast – beides bedingt durch die enorme Leistung und das nicht unerhebliche Gewicht des Wagens – begrenzten allerdings die Einsatzmöglichkeiten des Maserati Tipo V4.

Text und Bild: Maserati Deutschland GmbH

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