Mazda-Geschichte im Tram-Depot – Das Automobil-Museum Frey in Augsburg

Das erste Museum mit historischen Mazda-Automobilen außerhalb Japans ist in Augsburg.
Mit Unterstützung des japanischen Herstellers hat der Unternehmer die Mazda Classic-Sammlung aufgezogen.

Woanders als in einem Museum kann Geschichte wieder lebendig werden? Und Vorbilder für aufregende Automuseen gibt es hierzulande reichlich: die Autostadt von VW in Wolfsburg, das Audi-Museum in Ingolstadt oder das BMW-Museum in München um nur einige zu nennen. Die Perlenkette der Automobil-Museen ist seit dem vergangenen Jahr um eine Pretiose reicher geworden. Denn der japanische Automobilhersteller Mazda lässt seine einzigartige Geschichte nun auch in Deutschland lebendig werden. Und zwar im ersten und einzigen Mazda-Museum außerhalb Japans in der Augsburger Innenstadt in der Wertachstraße 29b.

Mazda Classic – Automobil Museum Frey, wie das Museum vollständig heißt, ist ein Projekt des Augsburger Mazda Händlers Auto Frey mit Unterstützung von Mazda Motors Deutschland. Mazda Classic macht die eindrucksvolle, fast 100-jährige Geschichte des unkonventionellen Herstellers aus Hiroshima in Form von 45 Ausstellungsfahrzeugen, Bilderwelten und interessanten Informationen erlebbar. Die Ausstellung umfasst neben den historischen Mazda Modellen des deutschen Markts auch zahlreiche seltene Mazda Klassiker, die zum Beispiel nur in Japan oder den USA verkauft wurden sowie seltene Einzelstücke aus der insgesamt rund 120 Fahrzeuge umfassenden privaten Mazda Sammlung der Familie Frey. Ergänzend bietet Mazda Classic einen 700 Quadratmeter großen Eventbereich, eine attraktive Gastronomie sowie einen Mazda Classic Shop mit ausgewählten hochwertigen Mazda Merchandising Produkten.


Erste Mazda-Museum außerhalb Japans

Es versteht sich, dass bei der Eröffnung prominente Gäste aus Augsburg und Umgebung ebenso anwesend waren wie der Executive Vice President der Mazda Motor Corporation, Akira Marumoto, der extra aus Japan nach Augsburg anreiste. Marumoto würdigte denn auch in seiner Ansprache seinerzeit die Leistung und die Leidenschaft der Familie Frey für die Marke Mazda, die seit 1978 Mazda Händler in Augsburg und mittlerweile an drei Standorten in der Region vertreten ist: „Mit diesem einzigartigen und beeindruckenden Mazda Museum, dem ersten außerhalb Japans, ist der Traum wahr geworden, die einmalige Sammlung historischer Mazda Fahrzeuge aus aller Welt der Öffentlichkeit zu präsentieren. Alle Mazda Mitarbeiter in unserer Unternehmenszentrale in Hiroshima sind sehr stolz darauf, dass die Familie Frey Teil der Mazda Organisation ist und so etwas Großartiges erschaffen hat“, so Marumoto zum Engagement der Familie Frey.
Die Location von Mazda Classic – Automobil Museum Frey könnte passender nicht sein: Ein unter Denkmalschutz stehendes historisches Straßenbahndepot am Senkelbach wurde von Walter Frey und seinen Söhnen Joachim und Markusin den letzten vier Jahren mit großem Aufwand saniert und renoviert. Darüber hinaus entstand neben dem Hauptkomplex ein rund 270 Quadratmeter großer Neubau in historischem Stil, der den Eingangsbereich, den Mazda Classic Shop sowie eine attraktive Gastronomie mit Außenbereich beherbergt.

Exzellentes Design

Bei einem Besuch von Mazda Classic wird der eine oder andere Besucher vielleicht überrascht sein, dass die innovative japanische Marke nicht erst seit kurzem mit ihren SKYACTIV-Modellen im KODO Style durch attraktives Design, innovative Technologie und Fahrspaß überzeugt. Schaut man sich zum Beispiel den Mazda Luce sowie das Mazda Familia 1000 Coupé von 1966 oder den Mazda Cosmo Sport von 1967 an, wird schnell deutlich, dass Mazda auch schon damals für exzellentes Design stand. Technologisch ist die Entwicklung und Produktion der RX-7 Baureihe ab 1978 über drei Generationen mit ihren verschiedenen Ausbaustufen des Zweischeiben-Kreiskolbenmotors nur ein zeitgenössisches Beispiel für außergewöhnliche Mazda Technologie. Der Mazda MX-5 wiederum belebte 1990 nicht nur das Roadster-Segment neu, sondern war schon damals Sinnbild für puren Fahrspaß.

Dreirädriger Leicht-LKW

Weitere Highlights der Fahrzeugausstellung sind verschiedene Mazda Modelle, die offiziell nie in Deutschland verkauft worden sind, unter anderem der Mazda K360, ein dreirädriger Leicht-LKW sowie der erste Mazda PKW R360 Coupé von 1960, das Mazda Familia 1000 Coupé von 1966, den Mazda Luce RX87 von 1969 oder der Mazda AZ-1 von 1992. Natürlich werden auch hierzulande bekanntere historische Mazda Modelle, angefangen vom ersten ab 1972 offiziell verkauften Mazda 616 über die Erfolgs-Baureihen Mazda 323 und Mazda 626 bis hin zum Mazda MX-5 der ersten Generation von 1990 oder die Xedos-Modelle aus den 90er Jahren gezeigt.

Forum für Clubtreffen

Für Abwechslung in der Ausstellung sorgt ein regelmäßiger Wechsel der ausgestellten Fahrzeuge, denn weitere automobilen Highlights aus der Reserve der Familie Frey warten schon auf ihren Auftritt. Beabsichtigt ist außerdem, dass Mazda Classic zu einem Forum für Clubtreffen mit historischen Mazda Modellen und markenübergreifenden Oldtimer-Veranstaltungen wird. So gibt es bei Mazda Classic immer etwas Neues zu entdecken.

 

Seit 30 Jahren sammeln Markus, Joachim und Vater Walter Frey Mazdas. Mit dem Mazda-Museum haben sie sich einen Traum erfüllt.

Der Hausherr ist gut gelaunt und erwartet den Besucher im Foyer des ehemaligen Straßenbahndepots in Augsburg in denkmalgeschützter Umgebung. Weil es im ehemaligen, 1897 und 1898 errichteten, Depot zu kalt ist, bittet er den Besucher nebenan in den gut gewärmten, 600 Qudratmeter großen Eventsaal. Das frühere Tramdepot der Stadt Augsburg ist heute das einzige Mazda-Automuseum außerhalb Japans, und „das Baby“ des Hausherrn, Walter Frey (73), der seit 1978 also seit 40 Jahren offizieller Mazda-Vertragshändler ist und in seinen Betrieben in Augsburg, Gersthofen und Untermeitungen 50 Mitarbeiter beschäftigt. Das Sammeln alter Mazdas ist Freys Leidenschaft – bis heute wie die Begeisterung für den Wankel-Kreiskolbenmotor. Der sehr deutlich „augschburgernde“ Frey steht als Seniorchef des Autohauses immer noch täglich „im Geschirr“. Für Cabriolife-Reporter Rudi Kanamüller nahm er sich Zeit – inklusive einer persönlichen Führung durch das Museum.

Cabriolife: Herr Frey, wie kommt jemand auf die Idee, ein Museum für Raritäten aus dem Hause Mazda aufzumachen und wann hat alles angefangen?

Frey (spontan, strahlt): Autos haben mich schon immer interessiert. Schon von frühester Jugend an. Mein erstes Auto, das ich mir zugelgt habe, war ein englischer Singer MS 1500. Da war ich 16, hatte aber noch keinen Führerschein. Das habe ich mir noch in Deutschland zugelegt.

Was heißt noch in Deutschland?

Ich bin nämlich mit 18 Jahren nach Australien gegangen.

Was war der Grund, das in so jungen Jahren zu tun?

Ganz einfach. Weil ich damals nicht zur Bundeswehr wollte. Da habe ich hier alles zurückgelassen, meinen Singer genauso wie meinen Hund.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht?

Ich habe bei einem Bosch-Dienst Auto-Elektriker gelernt und bin dann zu einem englischen Automobilhersteller zu Britisch Leyland. gegangen.

Wie lange waren Sie in Australien?

Dort war ich drei Jahre. Bei einem Deutschlandurlaub habe ich, wie das nun mal so ist, auch meine Frau kennengelernt. Dann bin ich dageblieben, und hab die Meisterprüfung als Autoelektiker abgelegt.

Wann das so richtig mit dem Sammeln von alten Autos begonnen?

Das war eigentlich 1968. Da hab ich mir, obwohl ich kein Geld hatte, einen Opel Kapitän Super 6, zugelegt. Ich hab das ganze Geld, das ich verdient habe gleich in alte Autos gesteckt. Die waren ja billig, weil die keiner haben wollte. Die hab ich dann überall, wo ich konnte, untergestellt. Ach ja, 1972 habe ich mich als Autoelektriker und als freie Werkstatt selbständig gemacht in Gersthofen.

Mazda RX87 / Luce R130: Coupé mit rahmenlos versenkbaren Fenstern und Kreiskolbenmotor mit 126 PS, erstmals Wankelmotor mit Frontantrieb, damals das Spitzenmodell von Mazda, gebaut von 1969 bis 1971.
Wieviel alte Autos haben Sie heute in Ihrer Sammlung? Wo kommen die her und wie finden Sie die?

Insgesamt sind es bis jetzt 120 alte Fahrzeuge, im Museum stehen 48. Die Autos kommen aus Belgien, Amerika, der Schweiz aus Myanmar, Japan. Eigentlich aus der ganzen Welt. Gezielt suchen kannst du nicht. Das spricht sich rum. Mittlerweile werden mir viele einfach so angeboten.

Gibt es hier im Museum ganz besondere Stücke oder Exemplare?

Das ist eine hölzerene Hausbank. Die stand vor dem Wankel-Versuchszentrum in Lindau am Bodensee und gehörte Felix Wankel, dem weltberühmten Erfinder. Das ist mein ‚Heiligtum`. Im Museum steht auch der Original-Mazda RX7, den Mazda Wankel geschenkt und der auf ihn zugelassen ist(zeigt den Originalbrief, der im Auto liegt).

Restaurieren Sie selbst?

Ich mach das zusammen mit meinen beiden Söhnen Joachim und Markus. An meine alten Schätze kommt nicht mal ein Mechaniker von mir ran. Das mach ich alles selbst. Und Sie dürfen mir glauben, ich kenne jede Schraube meiner Autos. Zur Zeit arbeiten wir unter anderem an einem alten RX 9, den hab ich aus Griechenland.

Wo restaurieren Sie?

Das mache ich in meinen Betrieben am Wochenende. Denn am Sonntag abend müssen die alle wieder raus, weil sonst krieg ich am Montagfrüh Probleme mit meinem Meister (lacht). Ich bin ja immer noch voll im Geschirr.

Walter Frey hat sich seinen Traum vom eigenen Mazda-Museum erfüllt. Ein ehemaliges Tramdepot in Augsburg ist heute Heimat für viele Klassiker.
Seit wann gibt es das Museum?

Das Museum gibt es seit Mai 2017. Das Depot haben wir bereits seit sechseinhalb Jahren. Eigentlich wollte ich das Museum ja in Gersthofen machen. Aber die haben es nicht auf die Reihe gebracht. Dann hat mir die Stadt Augsburg das Depot angeboten.  Das war richtig baufällig und vor wenigen Jahren waren hier noch Straßenbahnen untergestellt. Fertig ist das Museum aber noch nicht fertig. Im Eingangsbereich soll ein Restaurant eingerichtet werden. Da suchen wir gerade einen Gastronom, der das machen kann. Wir sind in der Planung.

Was waren die größten Probleme beim Einrichten des Museums?

Die größten Probleme waren hier nicht die Auflagen des Denkmalschutzes, sondern am teuersten war die Einrichtung des Brandschutzes. Denn das Dach zum Beispiel ist eine komplette Holzkontruktion. Unter Denkmalschutz steht beispielsweise auch der Kamin des Depots. Die Denkmalschützer waren aber sehr hilfsbereit und sehr konstruktiv.

Wieviel Besucher kommen so ins Museum?

Wir haben naturgemäß den Winter über weniger Besucher. Aber durschnittlich sind es so 400 Besucher monatlich. Das reicht aber nicht, um das Museum insgesamt zu erhalten. Hier hilft uns Mazda. Sonst könnten wir das nicht machen.

Mazda Classic – Automobil Museum Frey

Wertachstraße 29b 86153 Augsburg
Tel. +49.(0)821.42060.730
E-Mail: info@mazda-classic-frey.de
Web: www.mazda-classic-frey.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Text: Renate Freiling

Fotos: Opel Automobile GmbH, Automobile Frey

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