Gipfeltreffen der Jubilare – Opel Rekord C und die Felbertauernstraße feiern ihren 50.

Alt trifft Neu. Zwei, die sich sehen lassen können: das Opfel Rekord C Cabrio und das aktuelle Modell – der Cascada.
Was kann schöner sein, als bei Sonnenschein im Cabrio über einsame Landstraßen zu fahren. Zugegeben – einige Dinge fallen Leo DaCabrio schon noch ein. Doch in diesem Fall kommen auch zwei weitere Faktoren des Glücksgefühls hinzu: zum einen, das Privileg, in einem äußerst seltenen Opel Rekord C Deutsch-Cabriolet zu sitzen, und zum anderen, damit zum Geburtstag der Felbertauernstraße fahren zu dürfen. Sowohl die Straße als auch das Cabrio feiern ihren 50. Geburtstag.

Mit dem Opel Rekord C startete Opel 1966 eine Erfolgsgeschichte. Das Coupé ohne B-Säule lehnte sich in seiner Form an die Muscle-Cars mit Fastback-Heck an, die die zweite Hälfte der automobilen Epoche der 60er-Jahre in Nordamerika bestimmten. Der Erfolg sprach für sich. Schon 1967 konnte man für 4.000 Mark Aufpreis auch einen Cabrio-Umbau auf Basis der zweitürigen Rekord-Limousine durch „Karl Deutsch Karosseriebau“ (Köln) bekommen.

Das von Leo DaCabrio gelenkte, rote Exemplar aus dem Fundus von Opel Classic schnurrt wie eine Katze und geht geschmeidig in die Kurven. Die Felbertauernstraße in Richtung Osttirol, Kärnten und Adria führt vorbei an steil in den Himmel ragenden Dreitausendern, rauschenden Wasserfällen und saftigen Wiesen. Ein rund fünf Kilometer langer Tunnel unterbricht das Idyll, doch da sind schon mehr als die Hälfte der rund 36 Kilometer zwischen Mittersill im Salzburger Land und Matrei in Osttirol absolviert. Anteilseigner der Felbertauernstraße sind der Bund mit 60 Prozent Beteiligung, das Land Tirol mit 38 Prozent sowie die örtlichen Gemeinden mit den restlichen zwei Prozent. Die dreispurig ausgebaute Fahrbahn hat ihren höchsten Scheitelpunkt auf 1.650 Meter, was sich in der Steigung allmählich bemerkbar macht. Schwach motorisierte Gefährte müssen in so mancher Kurve einen Gang runterschalten. Seit 50 Jahren nutzen Auto- und Motorradfahrer sowie Camper die Route über den Alpenhauptkamm als Alternative zum Brenner oder zur Tauernautobahn.
Ebenso innovativ wie damals die Straße kam der Opel Rekord C daher – komfortabel und schick. Während der Vorgänger Rekord B in den Grundzügen ein optisch veränderter Rekord A war, brachte die Generation C die lang ersehnte Neuentwicklung. Der Wagen wuchs in allen Dimensionen, die blattgefederte Hinterachse wich der Fünf-Lenker-Achse mit schräg stehenden Stoßdämpfern. Zwar handelte es sich prinzipiell immer noch um eine Starrachse, allerdings sorgten die Schraubenfedern und die exaktere Führung durch vier Längslenker und dem berühmten Panhard-Stab als Querlenker für ein deutlich präziseres und zugleich komfortableres Fahrverhalten. Ideal also, um damit durch die Alpen zu kurven.


1967 wurde der jahrhundertealte Wunschtraum eines bequemen und gefahrlosen Alpenüberganges Wirklichkeit, mit der feierlichen Eröffnung der Straße am 25. Juni (Bild links). In fünfjähriger Bauzeit wurde der 36 Kilometer lange neue Verkehrsweg – mit einem 5.313 Meter langen Scheiteltunnel als Herzstück – errichtet.

Der erst kürzlich erneuerte Streckenverlauf der Felbertauernstraße gibt den Blick frei auf das imposante Venediger-Massiv, einen Wasserfall und die Schildalmen. „Bisher wurde dieses längste, größte Tauerntal der Ostalpen kaum so wahrgenommen“, sagt Karl Poppeller, Vorstandsdirektor der Felbertauernstraße AG und Begleiter Leo DaCabrios bei seiner Fahrt. „Die Straße ist eine Attraktion für Genussfahrer. Wir haben eine wunderbare Landschaft, intakte Natur, ansprechende Gasthäuser und eine hervorragende Almstruktur zu bieten.“ Ganz anders als früher: Zur Römerzeit überwand man einen mehr als 2.400 Meter hohen Pass über einen schmalen Saumpfad. Dieser Weg stellte trotz der Strapazen, die mit seiner Nutzung unabdingbar einhergingen, einen bedeutenden Übergang von München und Salzburg nach Venedig dar. Im Hochmittelalter nutzten Boten des Postdienstes und Bauern auf beiden Seiten des Hauptkammes diesen Steig, um sich mit dem Transport von Eisen, Gold- und Silberwaren, Gewürzen, Stoffen und Wein auf den Rücken der Saum-Pferde etwas dazu zu verdienen. Zwar brachte die regelmäßige Nutzung eine Verbreiterung und einen sukzessiven Ausbau der Strecke mit sich, doch aufgrund der zu überwindenden Höhe blieb die Tour beschwerlich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit zunehmender Motorisierung brauchte man eine bessere, schneller und einfacher zu bewältigende Verbindung zwischen Nord- und Osttirol. Als die Lösung in Form der Felbertauernstraße abgesegnet war, brauchte es noch eine Bauzeit von zirka fünf Jahren, bevor im Jahr 1967 die neue Route eröffnet werden konnte. „Zu dem Zeitpunkt gab es in der Region nahezu keinen Tourismus“, erzählt Poppeller, während Leo DaCabrio aufmerksam die Landschaft taxiert und den Opel rollen lässt. „Es gab nur den Südbahn-Tourismus aus Kaiserzeiten, der Wien über Velden in Kärnten, Lienz und Toblach mit Meran verband. Bis dahin spielte die Landwirtschaft in Osttirol eine große Rolle. Es gab praktisch keine Industrie. Dann wurde am 25. Juni 1967 diese Straße eröffnet, was mit dem Beginn der Hauptreisezeit zusammen fiel“, sagt der Chef der Felbertauernstraße AG. „Seit dem EU-Beitritt Italiens im Jahre 1995 hat sich auch die Grenzsituation außerordentlich positiv verändert. Seither haben wir viel mehr Besucher aus Italien, die es lieben, Urlaub in den kühlen Bergen zu machen.“ Als internationale Urlaubsdestination ist Osttirol weitgehend unbekannt. „Vornehmlich kommen unsere Gäste aus Wien und Umgebung, aus Bayern und Baden-Württemberg.“

Opel bot hierfür die perfekten Automobile: groß, repräsentativ, gern auch mal mit sechs Zylindern, mit verlässlicher Technik und zu bezahlbaren Preisen.

Während der Rekord genüsslich über den glatten Asphalt schwingt, wähnen sich Leo DaCabrio und Karl Poppeller in den wunderbaren „Sixties“. Ein Hit von Elvis Presley tönt aus dem Radio und passt auch heute noch hervorragend zu dem damals absolut angesagten Coke-Bottle-Design. Die Wespentaille und das kräftige Hinterteil folgten dem Vorbild der US-Muscle Cars. Lediglich die Motorisierung ließ ihre Muskeln nicht ganz nach den Vorbildern spielen: Der 1,5-Litermotor wurde in der Leistung auf 58 PS reduziert. Ein 1,7-Liter-Motor mit 60 PS war neu im Programm. Für die L-Modelle stellte der 75 PS starke 1.7 S bis 1969 und danach der 1.7 N die Grundmotorisierung dar. Einzig der Caravan, der erstmals als Fünftürer in L-Ausstattung sowie als Sechszylinder mit 2,2 Liter Hubraum und 95 PS lieferbar war, strotzte vor Leistung.

Das Deutsch-Cabrio gibt nicht ganz so viel her, doch Leo ist nicht zum Schnellfahren nach Osttirol gekommen, sondern möchte die Geschichte um die Felbertauernstraße – im wahrsten Sinne des Wortes – erfahren. „Bei der Eröffnung sind unsere Leute von Auto zu Auto gegangen und haben mit Bauchläden die Maut abkassiert“, erzählt Poppeller. „Außerdem kam es zu einem regelrechten Übernachtungsboom. Damals war es ein wirkliches Abenteuer, mit dem Automobil in den Bergen unterwegs zu sein. Das führte dazu, dass viele Reisende auf der Hälfte der Strecke nach Süden in Osttirol übernachteten.“

Am Matreier Tauernhaus beenden Leo DaCabrio und Karl Poppeller ihre gemeinsame Tour. „Wir hoffen nun auf weitere Zuwächse bei unseren Zielgruppen – das fängt bei Motorradfahrern an und hört bei Wohnwagen auf. Alle zahlen übrigens den gleichen Preis: 11 Euro. Das haben wir bewusst so geregelt“, sagt er nicht ohne Stolz. Durchschnittlich passierten täglich rund 3.800 Fahrzeuge die Felbertauernstraße. Die höchste bisher gemessene Zahl seien 8.500 Fahrzeuge im Jahr 2014 gewesen. Staus sind auch bei hohem Verkehrsaufkommen auf der Felbertauernstraße nicht zu erwarten. Leo DaCabrio freut sich daher auch schon auf die Rückfahrt des einen Jubilars auf dem Asphalt des anderen.

Mit der neuen Trassenführung öffnet sich jetzt der Blick auf ein landschaftliches Highlight: Das bisher versteckt gelegene Gschlößtal, einer der charmantesten Talabschlüsse der Ostalpen. Dazu lohnt sich ein Stopp im berühmten und ruhmreichen Tauernhaus.

Text: Renate Freiling

Foto: Martin Lugger

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