Original Food – Genuss ohne schlechtes Gewissen

60.000 Menschen profitieren von den Einkommen der Kleinbauern.
60.000 Menschen profitieren von den Einkommen der Kleinbauern.
Florian Hammersteins „Original Food“ bringt als erstes Unternehmen eine zertifizierte kompostierbare Nespresso-Kaffeekapsel auf den Markt.

Florian Hammerstein ist Geschäftsmann und Unternehmer – und deshalb muss er natürlich auch gewinnorientiert arbeiten. Dennoch unterscheidet sich der Freiburger Spezialist für hochwertigen Kaffee in einem wesentlichen Punkt gravierend von vielen Angehörigen seiner Zunft. Und das nicht nur durch seine imposante Erscheinung – Hammerstein ist über zwei Meter groß. Wenn Hammerstein von Verantwortung spricht, wenn man ein Produkt herstellt, dann ist das kein leeres Geschwätz. Sein Unternehmen „Original Food“ übernimmt sie auch. Zum Beispiel nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die Verpackung und für das, was mit ihr „zum Schluss passiert“.

Rot wie eine Kirsche: So sieht die Arabica-Bohne aus, bevor sie geerntet und getrocknet wird.
Rot wie eine Kirsche: So sieht die Arabica-Bohne aus, bevor sie geerntet und getrocknet wird.
Drei Jahre Arbeit führten endlich zum Erfolg

Im Gespräch mit FAT nennt Hammerstein eine Zahl, die die Größe und gleichzeitig die Schwierigkeit der Aufgabe verdeutlicht. So entstünden allein durch Kaffeekapseln aus Kunststoff und Aluminium jährlich viele Tonnen Abfall. Abfälle aus Kunststoff und Aluminium. „Das ist einfach unverantwortlich“, sagt Hammerstein, der es nicht beim Klagen belassen hat. Seine Vision: die Produktion einer zertifiziert kompostierbaren Kaffeekapsel für Nespresso-Systeme. Weil Original Food in diesem Markt mitmischen will, bleibe einem kleinen Unternehmen wie seinem nichts anderes übrig, als hier die pace zu machen. Also hat er sich vor drei Jahren auf den äußerst beschwerlichen Weg gemacht, der ihn über Fraunhofer Institute, Universitäten bis zu Chemieunternehmen wie der BASF in Ludwigshafen geführt hat. Auf diesem Weg fand er dann Kapselentwickler, Produzenten sowie innovative Papierhersteller und schließlich einen Kapselhersteller. Hammerstein sagt, es seien auch glückliche Zufälle dabei gewesen, die schließlich zum Erfolg geführt haben.


„Wenn ich sage, wir handeln fair,
dann kann ich mich auch überprüfen lassen.“Florian Hammerstein

Die Kaffeebohnen werden per Hand verlesen.
Die Kaffeebohnen werden per Hand verlesen.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wurde im Frühjahr dieses Jahres auf der weltgrößten Biomesse, der Biofach in Nürnberg, präsentiert: eine zertifizierte, kompostierbare Kaffeekapsel, die biobasiert ist und vollständig aluminiumfrei. Hammerstein: „Original Food unterstreicht damit seine Vorreiterrolle für ökologische Nachhaltigkeit, die wir mit unserem Äthiopien-Engagement vor über zwölf Jahren begonnen haben.“ So sei die gesamte Kaffeekapsel einschließlich des Deckels kompostierbar. „In zwölf Wochen sind mehr als 90 Prozent des Materials in CO2 und Wasser umgewandelt, und der Kaffee selbst ist hervorragender Kompost.“ Original Food, sagt Hammerstein, sei bereits vor zwei Jahren mit der Marke Bonga Red Mountain in den sich rasant ausweitenden Markt der Kapseln eingestiegen, mit der Vision, so schnell wie möglich einen echten Ersatz für die umweltbelastenden Kunststoffe und das gesundheitsbedenkliche Aluminium zu finden.

Ausgangsstoffe für die kompostierbare Kaffeekapsel seien nachwachsende Rohstoffe wie Mais und Teile von Zuckerrohr. Hammerstein: „Das Knifflige dabei war, dass durch die hohe Hitze von über 90 Grad und den Druck von 19 bar im Nespresso-System biobasierte Stoffe in die Knie gehen.“ Das Problem wurde dennoch gelöst. Das Ergebnis ist eine Kapsel, mindestens so gut wie die Originale, dafür aber kompostierbar. „Wie man sieht, kann auch ein kleines Unternehmen Großes entwickeln und etwas vorantreiben.“

Aus dem Regenwald in die Tasse

Seit über zwölf Jahren ist Original Food in Äthiopien, einem der ärmsten Länder des afrikanischen Kontinents, engagiert beim Erhalt des Regenwaldes. Dort in der Region Kaffa wachsen in den letzten Bergwäldern die wilden Kaffeebohnen, die von Kleinbauern gesammelt und aufbereitet werden. Seit einigen Jahren spielen die urwüchsigen Kaffeebäume eine entscheidende Schlüsselrolle bei der Rettung des bedrohten äthiopischen Regenwaldes. Original Food importiert den Waldkaffee direkt und lässt ihn in traditioneller Trommelröstung schonend rösten. Es entsteht einer der besten Kaffees der Welt – auch für die kompostierbaren Kapseln für Nespressomaschinen.

Etwa 6.500 Kleinbauern haben sich zusammengeschlossen. Und wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch ihren Familien gut.
Etwa 6.500 Kleinbauern haben sich zusammengeschlossen. Und wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch ihren Familien gut.

Auf den Kaffeegeschmack von Original Food ist beispielsweise auch der Sommelier des sternegekrönten Restaurants Schwarzwaldstube in Tonbach, Stéphane Gass, gekommen: „Das Resultat ist ein wunderbarer Geschmack in der Tasse“, schwärmt der Gastro-Experte. Und das Aromenreich des Kaffees aus dem Regenwald ist schier unerschöpflich: Denn in den Wäldern Äthiopiens gibt es nahezu 6.000 Arten von Coffea arabica. Im Rest der Welt dagegen nur ein paar Dutzende. Dass Original Food fair gehandelt wird, versteht sich fast von selbst. Weshalb Hammerstein auch ein Verfechter von Qualitätssiegeln ist. „Wenn ich sage, wir handeln fair, dann kann ich mich auch überprüfen lassen.“


Welterste kompostierbare Kapsel

Bei Original Food ist die gesamte Kaffeekapsel einschließlich des Deckels nach EN DIN 13432 kompostierbar. In zwölf Wochen sind mehr als 90 Prozent des Materials in CO2 und Wasser umgewandelt.
www.originalfood.coffee

 

Text: Rudi Kanamüller

Fotos: Original Food

 

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