Oldtimer-Wandern – Die Gardasee-Klassik

Unter den Teilnehmern der Gardasee Klassik herrscht gute Laune.
Vom 24. bis zum 29. September 2016 startete in Riva del Garda die Gardasee Klassik des ADAC Nordrhein. An dem oberitalienischen See mit mediterranem Flair trafen sich 57 seltene Pretiosen der Automobilgeschichte, um in vier Tagestouren der Entdeckung kulinarischer und landschaftlicher Genüsse zu frönen.

Schon am Tag der Anreise kühlten die Motoren gar nicht erst ab, und das nicht nur wegen des strahlenden Sonnenscheins. Zur Teilnahme am Prolog lockten drei Wanderpausen, bei der die Klassiker an der Ölmühle der Familie Turri, in Villa de la Torre und in Caprino Veronese Halt machten, um sich mit der Gegend vertraut zu machen. Die zweite Tagestour führte die Teilnehmer auf malerischen Umwegen nach Verona. Das Valpolicella mit seinen serpentinenartigen Landstraßen bot nicht nur enthusiastischen Cabriofahrern ein großes Vergnügen. Olivenhaine, Kirschbäume und Weingärten rechts und links der Fahrbahn machten den Freunden kulinarischer Genüsse Lust auf mehr. Die Region ist auch die Heimat des gleichnamigen Rotweins und des Amarone, den viele die Königin der italienischen Weine nennen. Und so luden zahlreiche Ristoranti, Trattorie und Enoteche zum Probieren der Köstlichkeiten ein, ganz zu schweigen von den Weingütern.

Die internationalen Oldtimer aller Epochen bereiteten Fahrern und Beifahrern ebenso viel Freude wie den Zuschauern am Wegesrand und auf historischen Marktplätzen. Einige der Modelle, wie beispielsweise ein 1971er Intermeccanica Indra, ein Standard Flying Eight aus dem Baujahr 1939 oder ein Vignale Spider von 1969, waren dem Publikum und auch einigen fachkundigen Teilnehmern kaum noch bekannt. Der teilnehmende Maserati Ghibli hingegen dürfte als sportlicher Italiener ebenso ein Begriff gewesen sein wie ein Lancia Flaminia Coupé, die beide schon in den 1960er Jahren zu den teureren Automobilen der Oberklasse zählten. Die vielen Fans italienischer Marken freuten sich außerdem über einen weiteren Landsmann, einen Fiat Abarth 1000 Cabriolet aus dem Jahr 1967. Die Altersklassen der historischen Fahrzeuge ergaben ein buntes Gesamtbild der Automobilgeschichte von 1933 bis zum Jahr 1986.


Nur im Schrittempo ging es über die Promenade.

Die Ostseite des Gardasees wird vom Monte-Baldo-Massiv mit einer Höhe von mehr als 2.200 Metern überragt. Dort entlang krabbelten die Oldtimer-Wanderer bei ihrer dritten Tagestour. Etwas weiter südlich ließ die Anstrengung – insbesondere für die Vorkriegsfahrzeuge – nach. Über sanft ansteigende Hügel rollten die Preziosen schließlich auf ihr nächstes Tagesziel zu, den Ort Lazise. Auch am letzten Tag, dem 28. September, war die Faszination der Region um den Gardasee ungebrochen. Schon die Überfahrt mit einer Fähre von Torri del Benaco zum Westufer des Sees nach Toscolano Maderno förderte die gute Stimmung und vermittelte maritimes Flair. Und genau so setzte sich die Tour auf vier Rädern fort: der Küstenstraße folgend und stets mit einer Prise spätsommerlicher Seeluft in der Nase.

Die Vielfalt, mit der die Natur die unterschiedlichen Ufer des Sees schmückte, war beeindruckend. So glänzte das westliche Ufer mit mondänen Strandpromenaden, stilvollen Hotels und großzügigen Parks, die zum Flanieren einluden. Am nördlichen Ufer dominierten die Sportler das Bild: Surfer und Segler. Der Wind pfeift dort regelmäßig morgens durch das Sarcatal gen Süden bis weit auf den See und ab mittags wieder von Süd nach Nord, was ideale Bedingungen für Windsurfer und Segler schafft. Riva del Garda und Torbole sul Garda gelten daher auch als Hochburg für Segler, während abends beim Rotwein in der Altstadt gerne über die Segeltörns des Tages referiert wird. Doch auch Wanderer, Kletterer, Paraglider und Mountainbike-Fahrer frönen dort dem Dolce Vita. Denn die Bergketten der nördlichen und nordöstlichen Gardasee-Region mit einem etwas raueren Klima bieten ideale Bedingungen für die von ihnen bevorzugten Sportarten.

Am Ufer des Gardasees machen sich die Pretiosen besonders gut.

Die Oldtimer-Enthusiasten der Gardasee Klassik kamen ebenso auf ihre Kosten wie andere Sportler, waren die landschaftlich anspruchsvollen Routen führ ihren Geschmack doch bestens geeignet. Die Wanderpausen boten Kultur und Küche im Wechsel und immer standen gemütliche Abende mit Köstlichkeiten aus der Region am Ende eines jeden ereignisreichen Tages. Denn ebenso wie die geographischen sind auch die kulinarischen Gegebenheiten am Gardasee besonders abwechslungsreich. Die deftigen Fleischgerichte im Norden erinnern an die nahegelegene Küche der Alpen. Im Veneto auf der Ostseite des Sees steht Fisch häufiger auf dem Speiseplan, ebenso wie Pasta und Risotto. Die unterschiedlichen Einflüsse der drei Provinzen Trentino im Norden, Veneto im Osten und Lombardei im Südwesten sind in der gesamten Region zu spüren. In Valeggio sul Mincio beispielsweise, unweit von Borghetto, konnten die Teilnehmer bei einer Wanderpause erleben, wie sich die diversen kulinarischen Traditionen zu einer wunderbar mediterranen Speisenfolge vereinigen.

Wer auf der Tour keine Gelegenheit zur Einkehr in einer Trattoria hatte, konnte sich unterwegs mit Brot, Käse, Salami und Schinken versorgen. Beinahe jeder kleine Ort hat einen Markt, und auch an den Straßen weisen Schilder auf den Verkauf direkt vom Hof hin. Frisch vom Erzeuger findet sich auch Olivenöl, das „Gold des Gardasees”. Das Gütesiegel „D.O.P.” belegt, dass dort nur Produkte aus der Region verwendet wurden. Spätestens vor der Abreise bot sich für die Oldtimer-Wanderer noch die Möglichkeit für eine Einkaufstour durch Riva del Garda. Der am nördlichen Ufer des Gardasees gelegene Kurort trägt zu Recht den Beinamen: „bellisima di lago“ – die „Schöne vom See“. Die Innenstadt mit ihren vielen gut erhaltenen Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert und ihrem lebhaften Stadtzentrum ist nicht nur für Architekturbegeisterte sehenswert. Mit nur rund 14.000 Einwohnern wirkt das Städtchen dennoch lebhaft. Boutiquen, Läden sowie zahlreiche Restaurants und Bars an den Promenaden und Laubengängen prägen das Stadtbild und laden viele Besucher aus der Region zum Shoppen und Genießen ein. Die 3. Gardasee Klassik mit ihrem Veranstaltungsmotto „Genuss braucht Zeit“ ist daher in Riva del Garda bestens aufgehoben für ihren nächsten Start im Jahr 2017.

Der Gardasee bietet ideale Bedingungen für die vielen Oldtimer-Fahrer

Text: Renate Freiling

Foto: ADAC Nordrhein e.V.

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