Wer hier abschmiert… – Klassiker auf der creme 21

Bei der creme 21 starten Klassiker der 70er-, 80er- und 90er-Jahre.
Die Württembergische versichert Klassiker und solche, die es noch werden wollen. Gemeinsam mit dem Leiter der Klassikabteilung der Assekuranz, Andreas Grimm, starten wir im Mercedes-Benz R129, 300 SL 24 V, Bj. 1993 Cabriolet, bei der Youngtimer-Rallye creme 21 und schauen uns einige Kandidaten genauer an. Die Spaß-Rallye mit dem Namen der legendären Hautcreme der 1970er-Jahre führt im September 2017 über 1.000 Kilometer Landstraßen von Bielefeld bis nach Berlin.

Ein Mercedes-Benz SL Cabriolet des Baujahres 1993 ist ohne Frage ein Klassiker. Der Kult der Marke lebt und die Fahrzeugpreise steigen. Doch für eine Oldtimerversicherung oder gar die Teilnahme an einer Oldtimerrallye ist der R129 noch zu jung. Deshalb starten wir bei der Youngtimer-Rallye creme 21, benannt nach der gleichnamigen Hautpflege der 1970er-Jahre, denn dort dürfen auch jüngere Exoten dabei sein. Zudem ist die Württembergische ein Sponsor der Veranstaltung. Die Klassikabteilung besitzt neben dem R129 auch einen BMW 3,0 CS, mit dem Andreas Grimm und seine Kollegen regelmäßig Oldtimer-Rallyes bestreiten.

„Ein BMW Z8!“ staunt Andreas Grimm, als er sein Team vor dem Start im Bielefelder Lenkwerk anmeldet. „Der wurde nur 6.000 Mal gebaut, 1998 bis 2003.“ Die BMW Group Classic tritt mit einigen hochkarätigen Klassikern und Youngtimern an. Den Z8, so Grimm, könnte man schon in der „Best for Cars“-Versicherung der Württembergischen versichern, auch wenn er kein Oldtimer ist. „Diese seltenen und in kleinen Stückzahlen gebauten Autos werden oft zu Klassikern.“ Etwa 200 000 Mark kostete das Modell neu, heute könnte der Wert etwa doppelt so hoch sein, schätzt Grimm. „Auch unter jüngeren Fahrzeugen sind welche, die aus dem Rahmen fallen und schon früh beliebte Sammlerobjekte sind.“ Da besonderen Fahrzeugen auch besondere Pflege zuteil wird, sei es durchaus vertretbar, diesen eine günstigere Versicherung anzubieten.


Bei der creme 21 stehen Spaß, Spiel und coole Autos im Mittelpunkt.

„Bereits ab einem Fahrzeugalter von 20 Jahren können PKW, ab 30 Jahren auch historische Motorräder, Wohnmobile und LKW, günstig versichert werden, jedoch ist das Fahrzeugalter nicht die einzige Bedingung“, sagt Grimm. „Das Fahrzeug muss in einem gut erhaltenen Originalzustand sein.“ Belege dafür seien in der Regel Fotos oder Gutachten. Die Württembergische lässt in ihrem Old- und Youngtimertarif Fahrer bereits ab 18 Jahren zu. Ein Alltags-Pkw müsse allerdings über den Young- oder Oldtimer hinaus immer vorhanden sein, genau wie bei den Wettbewerbern. Nachweis hierfür ist die Police dieses Alltags-Pkws. Weitere Bedingungen sind die Unterbringung des Oldtimers in einer abschließbaren Garage sowie eine maximale jährliche Fahrleistung von 10.000 km. Während die ersten der 230 Young- und Oldtimer aus Bielefeld schon in Richtung Osten starten, schaut sich Andreas Grimm noch ein wenig um und begrüßt zahlreiche Teilnehmer herzlich. „Bei diesen Veranstaltungen trifft man so viele Bekannte“, freut er sich und umarmt Reinhard Schade von der Oldtimerspendenaktion der Lebenshilfe Gießen. „Er hat mir den R129 verkauft.“ Im frischen Look der Württembergischen steht der Mercedes nun auf dem Parkplatz.

„Ein Audi 80 Cabrio, Typ 89, gebaut bei Karmann“, kommentiert Grimm im Vorbeigehen. „In der Wertsteigerung hat er wenig Potential, weil noch ca. 25.000 Exemplare zugelassen sind. Aber wenn der Zustand passt und das Fahrzeug ein Liebhaber-Fahrzeug ist, versichern wir natürlich auch solche, normalerweise noch als Gebrauchtwagen gehandelten Modelle in der ‚Best for Cars‘.“ Grimm setzt sich ans Steuer des R129, lässt den Motor an und reiht sich in die Starterschlange ein. „Das Auto an sich ist nur ein Entscheidungskriterium, der Besitzer entscheidet auch durch die Nutzung: z. B. indem er nur bei schönem Wetter fährt.“ Auf dieses Stichwort zieht sich über Bielefeld der Himmel zu und es beginnt zu regnen. Windböen peitschen den Regen auf das Verdeck, wie zu erwarten kommt kein Tropfen durch. Im Inneren des Cabrios ist es leise und auch bei der nun folgenden, drei Tage währenden höheren Geschwindigkeit halten sich die Windgeräusche im Rahmen. Dafür macht sich der Motor beim Kickdown lautstark bemerkbar.

Schloss Moritzburg bot eine traumhafte Kulisse für die jungen Klassiker.

Schon nach wenigen Kilometern fangen die Spiele an, die bei der creme die Wertungsprüfungen ersetzen. „Tore schießen“, „in den Kinderkoffer mit vielen bunten Sachen schauen und sich alles merken“, ‚creme-Boule mit 21 Zentimetern Abstand spielen‘ oder ‚kleine Matten aneinanderlegen und sich darauf so weit wie möglich nach vorn bewegen‘ lauten die Aufgaben. Nach dem ersten sportlichen Einsatz müssen wir erst einmal Luft holen und schauen uns die anderen Youngtimer an. „Dieses BMW 318i Cabrio hier ist sehr attraktiv, zuverlässig und liegt im Zustand 2 bis 3 bei ca. 9.000 Euro Marktwert. Der hat sicher Potential für die Zukunft, auch mit diesen Felgen.“ Der badische Akzent von Andreas Grimm ist nicht zu überhören. Wohingegen sein Humor nicht immer gleich erkennbar ist. „Den würde ich auch gern mal raushängen lassen.“ Meint: Den hätte ich auch gern.

Am Abend übernachtet fast die gesamte creme 21-Besatzung (rund 500 Leute) auf dem Ringberg in Suhl. Bei Nebel und Regen trudeln die Teilnehmer an dem riesigen Hotel mit dem unverkennbaren 80er-Jahre-Charme ein. Grüppchen von Rauchern stehen unter dem Vordach und kommentieren die Ankömmlinge, Nichtraucher gesellen sich dazu. „Ein Fiat Barchetta, den gibt’s noch für ganz wenig Geld“, sagt Andreas Grimm. „1.500 bis 2.000 Euro. Schön ist er, aber unzuverlässig, der Wasserbehälter wird oft spröde und dann muss man den ganzen Motor ausbauen, um dranzukommen.“ Auch ein Chrysler Baron läge in dieser Preisklasse, hätte dann aber oft mit Wartungsstaus zu kämpfen. Grimm kennt sich aus, schon seit Jahrzehnten interessiert er sich für Autos und hat als gelernter Versicherungskaufmann beruflich mit ihnen zu tun. Seine Beliebtheit in der Oldtimerszene verstärkt sich zunehmend, seit er 2011 bei der Württembergischen Versicherung für die Klassikabteilung verantwortlich ist. Viele Kooperationen, von Grimm initiiert, machten die Best-für-Cars-Versicherung bekannt. Grimms Sympathiebonus und seine freundliche und humorvolle Art tun ihr Übriges dazu.

Die Abendveranstaltungen der creme 21-Rallyes sind immer locker: Es gibt keinen Dresscode, es wird hauptsächlich Bier getrunken und es wird meistens spät, bis die tägliche Siegerehrung stattfindet. Dennoch klappt der Start um acht Uhr früh reibungslos. Schließlich sind täglich bis zu 380 Kilometer zu fahren. In der Warteschlange am Start entdecken wir einen Saab 900. „Der hat sehr viel Wertsteigerungspotential, schon allein, weil es eine tote Marke ist“, sagt Grimm. „Macht Spaß, sieht ungewöhnlich aus, es sind aber noch nicht alle Saab 900 schon über 30 Jahre alt.“ Auch hier gilt, wer einen Youngtimer mit normaler Zulassung – nicht als historisches Fahrzeug – besitzt, kann eine günstige Oldtimer-Versicherung abschließen.

Vor dem historischen Eisenacher Motoren Werk.

Nicht Typ- und Regionalklassen sowie Schadensfreiheitsklasse bestimmen dann maßgeblich die Höhe der Kraftfahrzeugversicherungsprämie, sondern Zustand, Wert, Fahrzeugalter, Alter des Versicherungsnehmers (Fahrers), Unterbringung des Fahrzeugs und Fahrleistung. Doch ist bei diesen Youngtimern ein Beweis vonnöten, dass es sich nicht um einen alten Gebrauchtwagen mit nach Schwacke-Liste einzustufendem Zeitwert, sondern um ein Liebhaberfahrzeug handelt, das nicht im Alltag eingesetzt wird. „Für Youngtimer zwischen 20 und 29 Jahren reicht ein Kurzgutachten. Bei uns gibt es keinen Mindestwert. Es genügen aktuelle Fotos, ein guter sammelwürdiger Zustand und möglichst geringer Kilometer-Stand.“

Am nächsten Tag sehen wir unterwegs einen Porsche 944, der stark demoliert am Rande eines Maisfelds gestrandet ist. Ob der ausreichend versichert ist? „924 und 944 waren immer ungeliebt, aber in den letzten Jahren haben sie auch gewonnen durch den ganzen Oldtimer-Hype. Wenn der ein aktuelles Gutachten hat, der Porsche gut erhalten ist und sich weitestgehend im Originalzustand befindet, zahlt eine vorhandene Kaskoversicherung sofort.“ Der Beitrag richte sich hier u.a. nach dem begutachteten Zustand bzw. dem daraus resultierenden Wert. Abhängig von den individuellen Gegebenheiten gelte es auch zu entscheiden, welches der richtige zu versichernde Versicherungswert des Old- oder Youngtimers ist. Der Marktwert,

Wiederbeschaffungswert oder gar der Wiederaufbauwert? „Das kann man pauschal nicht sagen, das erfordert für jedes Auto maßgeschneiderte Lösungen“, sagt Andreas Grimm.
Ein BMW Bauer Cabrio zieht links an uns vorüber. „Davon gibt es nur ganz wenige“, sagt Grimm. „Die sind auch optisch gewöhnungsbedürftig, aber könnten schon über 20.000 Euro kosten.“ Ein großes Schild mit einem Stempel kündigt eine Aufgabe an. „Oh je, die Kofferaufgabe“, erkennt Grimm sofort. „Zettel und Stift, schnell!“ Ein Helfer reicht derweil einen kleinen Kinderkoffer ins Auto. „Aufmachen und 21 Sekunden reinschauen.“ Andreas Grimm notiert sich alles, was er in dem Koffer sieht, wühlt noch ein bisschen in den darin enthaltenen Süßigkeiten und Raucherbäumchen herum und startet wieder durch. „Irgendwann im Laufe des Tages wird uns jemand fragen, welche Farbe der Koffer hatte oder irgendetwas anderes, womit man nicht rechnet.“ Und weiter geht die flotte Reise – über hohe Berge, durch romantische Täler und finstere Wälder. Bei einer der nächsten Spielpausen stellt schließlich ein Helfer die berühmt-berüchtigte Kofferfrage: „Wie viele Tannenbaum-Symbole waren im Koffer?“ Grimm meint, auf einigen Zuckertütchen welche gesehen zu haben und rät: „23“.

Engagierte Teilnehmer bei den letzten Vorbereitungen.

Die nächste Übernachtung ist in Radebeul gebucht. Auch hier schaffen es die Veranstalter, alle Teilnehmer und Helfer in einem Hotel, dem Radisson Blu, unterzubringen. Bei der Siegerehrung muss Andreas Grimm den Preis der Württembergischen, einen Gutschein für ein Jahr lang „Best for Cars“, überreichen. Da er an ein Schweizer Team geht, die Württembergische aber außerhalb der EU nicht versichern darf, wandelt er den Preis kulanterweise gleich in ein Abendessen um. Doch damit nicht genug der Überraschungen. Auch das Team der Württembergischen Versicherung Grimm/Freiling erhält einen Preis. Die Anzahl der Tannenbaum-Symbole war richtig geraten, vielleicht gelangen auch noch einige andere Ergebnisse. Jedenfalls katapultiert man uns auf Platz drei in der Tageswertung. Den Preis reicht Andreas Grimm gleich an den nachfolgend Platzierten weiter, denn als Sponsor sollte man keine Preise annehmen, meint er.

Bei der letzten Etappe nach Berlin findet die Mittagspause im Spreewald statt. Wir schauen uns einen Alfa Romeo Spider an. „Das ist ein relativ junger Klassiker“ sagt Grimm über dieses, eines der letzten Modelle, „ich finde sie alle sehr schön, von Duetto bis Gummilippe, und sie haben auch alle eine gute Wertentwicklung.“ Ein Golf 1 Cabrio würdigt er eines skeptischen Blickes. „Mit geringer Laufleistung und als Sonderedition sind sie vom Wert her attraktiv.“ Das neuere Massenmodell mit hoher Laufleistung und Plastikstoßstange – wie die meisten, die man auf dem Markt findet – sei zwar oft noch preiswert zu haben, aber meist verschlissen. „Interessant sind die ersten Golf 1 Cabrios, mit Stahlstoßstangen und als Sondermodell.“ Doch die seien selten. Ebenso wie ein Samba Cabriolet, das wir auf dem Parkplatz entdecken. „Die gab es nur in geringer Stückzahl, das Modell hat sich nie etabliert.“ Wir sind uns einig, dass es ein absoluter Sympathieträger ist. „Die Chance, dass er wertbeständig ist oder sogar den Wert noch steigert, kommt zum Spaßfaktor noch dazu.“

Tagesziel erreicht.

In Berlin treffen viele Teilnehmer erst spät ein. Bei der Ankunft eines Escort Cabrios rollt Andreas Grimm mit den Augen. „Den finde ich nur als XR3i interessant und ist auch dann noch relativ günstig, dürfte so zwischen 2.000 und 4.000 Euro liegen.“ Nun aber los zur Abendveranstaltung, wo nach rund 1.000 zurückgelegten Kilometern die Stimmung brodelt. Viele Teilnehmer erscheinen in schrillen 1970er-Jahre-Klamotten und mit bunten Perücken auf den Köpfen. Die Siegerehrung lässt bis beinahe Mitternacht auf sich warten. Andreas Grimm stockt eine auf dem Podest überreichte Spende für die Lebenshilfe Gießen auf 1000 Euro auf und erntet damit großen Applaus.

Auch wenn am nächsten Morgen noch eine kleine Abschlussetappe nach Berlin-Spandau zur Gesamtsiegerehrung führt, wird gefeiert wie am letzten Abend. Andreas Grimm ist müde, aber glücklich. „Ich habe jede Menge liebe Bekannte und Freunde getroffen und wieder so viele neue Leute mit interessanten Autos kennen gelernt! Es lohnt sich doch jedes Mal wieder, die creme 21 mitzufahren, auch wenn ich mich hinterher erstmal ein paar Tage erholen müsste.“ Für viele Teilnehmer ist dies noch nicht der Saisonabschluss, schließlich winkt im Oktober – ebenfalls in Berlin – noch die neue ADAC Youngtimer Tour, die ein ähnlich buntes Teilnehmerfeld erwarten lässt.

Text: Renate Freiling

Foto: BMW Group Classic/Hardy Mutschler, Renate Freiling, Stefan Weiß/Württembergische

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